Lisa Totzauer steigt in Ring

"Mich macht das wütend": Brisantes Mail im Fight um ORF

Top-Journalistin und Managerin Lisa Totzauer steigt gegen APA-Chef Clemens Pig in den Ring – das gab die 55-Jährige am Dienstag ihrem Team bekannt.
19.05.2026, 15:16
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Betreff: "Was mich bewegt." – 548 Wörter ist es das lang, das Bewerbungs-E-Mail an die "liebe PD1", wie ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer an ihre Hauptabteilung schreibt. "Ich habe mich entschieden. Ich bewerbe mich", so die zweifache Mutter (55) in ihrem Schreiben an die Belegschaft.

"Beschämend" und "schockierend"

Die Berichte über Machtmissbrauch, Interventionen und Fehlverhalten im ORF seien "beschämend" und "schockierend". Totzauer: "Mich macht das auch wütend, und ehrlich gesagt auch traurig, dass wir hinter unserem Potential zurückbleiben. Dass sich nichts bewegt. Ich wünsche mir einen ORF, auf den die Bevölkerung wieder stolz sein kann. Und Ihr. Und ich."

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Schon vor fünf Jahren hätte sie bei ihrem Antritt (5 von 35 Stimmen) den ORF reformieren wollen, so die Magistra der Vergleichenden Literaturwissenschaften. Nun habe sie mit sich gerungen, ob sie es noch einmal versuchen solle. "Die Antwort, zu der ich gekommen bin: Ja. Aber nur, wenn man es wirklich will. Und ich will es. Ich kann hier nicht sitzen und resignieren und sagen: Es ist so, es bleibt halt so. Und bitte macht Ihr das auch nicht."

Totzauer – nicht die Wunschkandidatin der Kanzlerpartei – gibt sich kämpferisch: "Wir können dieses Haus reformieren. Wir sind nicht machtlos." Vor diesem Hintergrund bewerbe sie sich bei der Wahl am 11. Juni. "Ich will jetzt Verantwortung übernehmen. Nicht, obwohl es schwer wird, sondern gerade deswegen."

Offizielle ÖVP favorisiert APA-Chef Pig

Ihr Team wolle sie "auf dem Laufenden" halten; die Medien am Mittwoch über ihr Vorhaben informieren. Wie von "Heute" berichtet, ermutigte ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti am Wochenende jedoch APA-Geschäftsführer Clemens Pig für eine Kandidatur um den Chefsessel am Küniglberg. Bundeskanzler Christian Stocker hatte sich hinter den Kulissen für eine externe Lösung starkgemacht, um den ORF zu reformieren.

Lisa Totzauers Mail an ihre ORF-Kollegen im Wortlaut:

Liebe PD1,

ich habe Euch ja versprochen, dass ich Euch sagen werde, wenn ich mich entschieden habe, ob ich mich als Generaldirektorin bewerbe. Ich habe Euch heute in einer Sitzung bereits davon erzählt, und schreibe Euch nun auch, damit alle informiert sind.

Ich habe mich entschieden. Ich bewerbe mich.

Mir ist es wichtig, Euch zu schreiben, warum:

Ich arbeite seit 30 Jahren im ORF. Seit zwei Monaten sind wir ununterbrochen damit konfrontiert, was in unserem Unternehmen nicht stimmt. Führungskräfte, die ihre Macht missbrauchen, Belästigung, Interventionen, Fehlverhalten, das lange gedeckt wurde. Alles beschämend, alles schockierend. Und gleichzeitig muss man auch sagen: Einiges davon ist manchen von uns nicht neu, wenn auch nicht klar war, welche Dimension das Ganze hat. Viele wünschen sich schon lange, dass sich im ORF endlich etwas ändert. Dass konsequent gehandelt wird, wenn Menschen sich hier fehlverhalten. Dass wir die moralischen Standards, die wir öffentlich hochhalten, selber einhalten. Dass wir mit den Geldern, die uns anvertraut werden, gut umgehen. Dass das Geld im Programm landet und nicht teilweise in ineffizienten Strukturen versickert. Mir geht es wie vielen von Euch. Mich macht das auch wütend, und ehrlich gesagt auch traurig, dass wir hinter unserem Potential zurückbleiben. Dass sich nichts bewegt. Ich wünsche mir einen ORF, auf den die Bevölkerung wieder stolz sein kann. Und Ihr. Und ich.

Es ist jetzt auch kein Geheimnis, dass ich das schon vor fünf Jahren versucht habe. Ich wollte den ORF damals schon reformieren. Einige Probleme, die wir heute haben, die waren vor fünf Jahren schon da. Deshalb habe ich sehr ernsthaft überlegt: Soll ich es jetzt wirklich noch einmal probieren? Ich habe mit mir gerungen, und mich gefragt, ob eine Person, die wirklich grundlegend reformieren will, am Ende überhaupt durchkommt. Die Antwort, zu der ich gekommen bin: Ja. Aber nur, wenn man es wirklich will. Und ich will es. Ich kann hier nicht sitzen und resignieren und sagen: Es ist so, es bleibt halt so. Und bitte macht Ihr das auch nicht.

Wir können dieses Haus reformieren. Wir sind nicht machtlos. Es kann einen ORF geben, in dem das Programm an erster Stelle steht, wo wir mit relevanten Inhalten über die unterschiedlichsten Ausspielwege alle erreichen, wo sich Frauen und Männer sicher und wertgeschätzt fühlen. Wir müssen uns dafür aber ändern. Ich weiß, wo unsere Stärken liegen, und ich weiß, wo wir besser werden müssen.

Und deswegen bewerbe ich mich. Ich will jetzt Verantwortung übernehmen. Nicht, obwohl es schwer wird, sondern gerade deswegen. Die Herausforderungen, die auf die neue Geschäftsführung zukommen werden, sind groß. Diese Verantwortung muss man wirklich übernehmen wollen. Den ORF muss man wirklich lieben, weil es ein Kraftakt werden wird.

Ich wollte Euch informieren, bevor ich meine nächsten Schritte setze, und ich möchte Euch zum Abschluss noch sagen, dass ich unglaublich stolz auf Euch bin. Auf alle, die täglich ihr Bestes geben, um ein gutes Programm für die Bevölkerung zu machen. Und weil Ihr Euch nicht beirren und beeinflussen lasst. Ihr seid mir eine große Freude. Und ich bin stolz auf meine Sendungsverantwortlichen, die mutig, respektvoll und unabhängig führen.

Ich möchte mich bei jedem einzelnen Menschen bedanken, der mich in den vergangenen Wochen bestärkt hat, diesen Weg zu gehen. Diese Unterstützung bedeutet mir viel. Sie gibt mir Kraft.

Wie immer gilt: Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Eure Lisa

In der Volkspartei gibt es aber teils auch massive Widerstände gegen Clemens Pig, der über gemeinsame Projekte in regem Kontakt mit Andy Kaltenbrunner stand – Studienautor für SP-Medienminister Andreas Babler. Diese Kreise wiederum hätten Kronehit-Chef Philipp König, einst im Kabinett von Sebastian Kurz, gerne als ORF-General gesehen.

Die Außenseiter

Ins Rennen gehen könnten laut "Heute"-Infos zudem noch Puls-4-Gründer Markus Breitenecker und Warner-Manager Johannes Larcher – mit besten Kontakten zu Ex-ORF-Intendant Gerhard Zeiler.

{title && {title} } coi,ct, {title && {title} } Akt. 19.05.2026, 17:48, 19.05.2026, 15:16
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