Rund zehn Monate nach der ICE-Panne im Wienerwald-Tunnel westlich von Wien liegen erste Untersuchungsergebnisse vor. Laut ORF zeigt der Zwischenbericht mehrere Probleme bei der Evakuierung der rund 400 Fahrgäste auf.
Der Zug war im Tunnel stehen geblieben, die Rettung dauerte insgesamt siebeneinhalb Stunden. Laut Bericht kam es dabei zu Fehlentscheidungen, Kommunikationsproblemen und Mängeln bei der Ausbildung des Personals.
Kritisiert wird unter anderem, dass es laut Betroffenen zu wenige praktische Evakuierungsübungen gegeben habe. Michael Luczensky von der Eisenbahnbehörde sagte: "Es ist durchaus vorgekommen, dass seit der Grundausbildung keine praktische Übung mehr durchgeführt wurde."
Die ÖBB weisen das zurück. Sprecher Bernhard Rieder erklärte: "Alle Mitarbeiter durchlaufen Fortbildungen, Weiterbildungen, die alle relevanten Sicherheitsthemen beinhalten. Das passiert zweimal im Jahr."
Ein erster Evakuierungsversuch scheiterte laut Bericht, weil gleichzeitig der Strom im Tunnel abgeschaltet worden war. Deshalb konnte auch der Ersatzzug nicht losfahren. Allein dadurch habe sich die Rettung um rund zwei Stunden verzögert.
Die Fahrgäste mussten laut Untersuchung lange ohne Licht und funktionierende Toiletten im Zug ausharren. Einige verließen den Zug selbstständig und mussten im Tunnel gesucht werden.
Kritik gibt es auch an der Untersuchung selbst: Befragt wurden laut ORF nur Bahnmitarbeiter, kein einziger der rund 400 Passagiere.
Die Gewerkschaft vida fordert nun Konsequenzen. Vorsitzender Roman Hebenstreit sagte: "Wir können aus gewerkschaftlicher Sicht nur an die zuständige Behörde appellieren, hier konsequent vorzugehen."
Ein weiteres Detail aus dem Bericht: Der ICE musste am Ende gar nicht abgeschleppt werden. Nach der langen Pause ließ sich der Zug wieder problemlos starten.