Das Rennen um die Spitze des ORF bekommt weiteren Zuwachs: Mit Ernst Primosch hat nun ein Kommunikationsberater und ehemaliger Henkel-Manager seine Kandidatur für den Generaldirektor-Posten bekanntgegeben.
Eine Woche vor Ende der Bewerbungsfrist wächst damit die Liste der Interessenten weiter an. Primosch bezeichnet sich selbst als "unabhängiger Transformationsmanager" und verweist auf langjährige Kontakte in deutsche Unternehmer- und Entscheidungskreise.
Der 66-Jährige war früher unter anderem für die strategische Kommunikation bei Henkel verantwortlich und gründete später die Unternehmensberatung Bureau of Communication. Ein 32 Seiten starkes Konzept mit dem Titel "ORF 2050" liegt laut "Presse" bereits vor.
Darin betont Primosch, dass er sich "nicht aus einer Binnenlogik des ORF" oder aus einem "parteipolitischen System heraus" bewerbe. Seine Unabhängigkeit unterscheide ihn von anderen Kandidaten. "Für mich ist Unabhängigkeit keine Pose, sondern eine Führungsverpflichtung."
Erfahrung als Medienmanager bringt Primosch im Gegensatz zu anderen Bewerbern wie Lisa Totzauer oder Markus Breitenecker zwar nicht mit, dafür aber journalistischen Hintergrund. Er arbeitete zehn Jahre lang als freier Journalist. Sein Vater Ernst Primosch war früher Chefredakteur der Kärntner Tageszeitung, sein Onkel Walter dort Chef vom Dienst und Politikchef.
Mit seiner Beratungsfirma unterstützte Primosch nach eigenen Angaben zuletzt unter anderem Aldi Deutschland bei einer Neupositionierung.
Politische Unterstützung scheint der Kandidat derzeit allerdings nicht zu haben. Zwar erklärte Primosch: "Ich freue mich natürlich, wenn mich die demokratischen Parteien unterstützen", Gespräche mit Kanzler Christian Stocker (ÖVP) oder Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) habe es bislang aber nicht gegeben.
Dass ausgerechnet die ÖVP zuletzt Präferenzen für den bisherigen APA-Geschäftsführer Clemens Pig erkennen ließ, nimmt Primosch zwar zur Kenntnis, akzeptieren will er das aber nicht. "Ich nehme das zur Kenntnis aber ich akzeptiere es nicht", sagte er zur "Presse". "Ich glaube immer noch an demokratische Prozesse. Und ich weiß, ich kann es."
Primosch kündigte zudem an, die aus seiner Sicht "beschädigte ORF-Reputation" rasch verbessern zu wollen. Dafür brauche es mehr Transparenz – auch innerhalb des 35-köpfigen Stiftungsrats, der am 11. Juni über die neue ORF-Spitze entscheiden soll.
Am Freitag war Primosch laut eigenen Angaben auf dem Weg zum Europa-Forum Wachau in Göttweig, an dem auch Kanzler Stocker teilnimmt. Ein direktes Gespräch mit dem Regierungschef plane er aber nicht: "Ich habe nicht vor, ihn anzusprechen", sagte Primosch. "Er gehe auch nicht davon aus, dass Stocker ihn kenne."