Im Gespräch mit der "Krone" hat Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) aufhorchen lassen. Demnach müsse sich Österreich von der "bequemen Unwahrheit verabschieden", wonach die Neutralität das Land beschütze. Dies würde nicht ausreichen.
Laut Stocker hätten sich die Bedrohungen geändert. Kriege würden nun größtenteils mit Drohnen geführt werden. Zudem würde es "hybride Bedrohungen und Terrorismus" geben. Des Weiteren müsse man bedenken, dass einzelne Staaten die Herrschaft über Aufklärungsdaten und Kommunikationswege hätten.
Diesbezüglich würde man die derzeit gültige Sicherheitsstrategie aktualisieren, so der Bundeskanzler. Hier könne man sich jedoch nicht mehr auf die transatlantische Beziehung verlassen. Auch der Umstand, dass man von NATO-Staaten umgeben sei, würde Österreich nicht schützen.
Stocker gab zu bedenken, dass man Landesgrenzen mittels Drohnen schnell überwinden könnte. Zudem liege Österreich am Schnittpunkt von Verkehrswegen durch Europa. Dadurch würde man im Falle eines Konflikts immer zum Ziel werden. Man müsse demnach mehr in die Verteidigung investieren. Aufgrund des begrenzten Budgets werde dies aber nur "Schritt für Schritt" geschehen.
Stocker wiederholte seinen Standpunkt, wonach Österreich "kein blinder Fleck in der Verteidigungslandschaft Europas" sein dürfte. Als wichtige Maßnahme nannte der Kanzler hier das Flugabwehrprogramm Sky Shield, welches mit der Neutralität vereinbar wäre. Des Weiteren soll der Wehrdienst verlängert werden. Ein neues Modell soll mit dem 1. Jänner 2027 eingeführt werden.
Gleichzeitig betonte Stocker auch die Wichtigkeit der Beistandspflicht in Europa. Diese wurde nach einem Terroranschlag in Frankreich bereits einmal ausgelöst. Damals sprangen österreichische Soldaten für ihre französischen Kollegen in Mali ein, damit diese ihre Heimat schützen konnten.
Der Kanzler unterstrich, dass Österreich immer seinen Beitrag geleistet habe. Auch aktuell befänden sich 170 österreichische Blauhelme im Libanon, aber auch in Bosnien und Herzegowina würde man für Sicherheit sorgen. Dies werde man auch in Zukunft tun.