Wenige Wochen vor der Grazer Gemeinderatswahl sorgt ein heftiger interner Streit bei der FPÖ für Aufsehen. Mit Bernhard Dohr und Fabian Gutschreiter hat die Partei gleich zwei stellvertretende Stadtparteiobleute ausgeschlossen. Beide galten innerhalb der Grazer Freiheitlichen als bekannte Gesichter. Besonders brisant: Dohr war erst Ende Februar noch als Listendritter für die Wahl am 28. Juni präsentiert worden.
Die FPÖ bestätigte am Sonntag entsprechende Berichte der "Kleinen Zeitung" und der "Kronen Zeitung". Offiziell hält sich die Partei mit Details aber auffallend zurück. Klar ist bisher nur: Der Beschluss fiel bereits am vergangenen Mittwoch im Landesparteivorstand und laut Austria Presse Agentur einstimmig. Was genau hinter dem drastischen Schritt steckt, will die FPÖ derzeit nicht öffentlich sagen.
In einer Aussendung ist lediglich von einem Verhalten die Rede, das "als systematische Illoyalität gegenüber der Partei zu werten" sei. Außerdem habe dieses Verhalten den innerparteilichen Zusammenhalt gefährdet. Konkrete Vorwürfe nannte die Partei nicht. Nach Angaben der Freiheitlichen sollen dem Landesparteivorstand schriftliche Beweismittel vorgelegen haben, von denen die Parteispitze erst vor Kurzem erfahren habe.
Welche Inhalte diese Unterlagen haben sollen, blieb offen. Gerade diese Zurückhaltung heizt nun die Spekulationen innerhalb der Grazer Stadtpolitik zusätzlich an. Besonders bemerkenswert ist der Fall Bernhard Dohr. Der Volkswirt und Politikwissenschafter galt lange als enger Vertrauter des früheren FPÖ-Vizebürgermeisters Mario Eustacchio. Dohr war einst auch dessen Pressesprecher.
Eustacchio sitzt derzeit als wilder Abgeordneter im Grazer Gemeinderat und sorgt damit schon seit längerer Zeit für Spannungen innerhalb der Partei. Dass nun ausgerechnet ein ehemaliger enger Mitarbeiter Eustacchios ausgeschlossen wurde, sorgt in politischen Kreisen für zusätzliche Aufmerksamkeit. Viele sehen darin ein weiteres Zeichen dafür, wie tief die Konflikte innerhalb der Grazer FPÖ mittlerweile reichen könnten.
Für die Wahl hat der Ausschluss direkte Folgen. Dohr verliert nicht nur seine Parteimitgliedschaft, sondern auch seinen prominenten Listenplatz. Auf Position drei der FPÖ-Liste rückt nun Wolfgang Lueger nach. Damit verändert sich die Kandidatenliste nur wenige Wochen vor dem Urnengang noch einmal deutlich. Auch Fabian Gutschreiter traf die Entscheidung des Landesparteivorstands hart.
Wie Dohr war auch er stellvertretender Stadtparteiobmann der FPÖ Graz. Beide galten als wichtige Funktionäre. Dass gleich zwei hochrangige Mitglieder gleichzeitig ausgeschlossen werden, ist für erfahrene Parteibeobachter ein ungewöhnlicher Vorgang. Landesparteisekretär und FPÖ-Klubchef im steirischen Landtag Marco Triller verwies gegenüber der "Kleinen Zeitung" auf das Parteigericht, sollte gegen die Entscheidung berufen werden.