77 Personen haben sich für den 2027 frei werdenden Chefsessel im ORF beworben. Wie berichtet nicht unter ihnen: Ingrid Thurnher, die den Öffentlich-Rechtlichen nach dem Rauswurf von Ex-Generaldirektor Roland Weißmann interimistisch leitet.
Am Montagnachmittag kommt die "Findungskommission" des ORF zusammen. Sie muss beurteilen, welche Kandidaten die Kriterien der Ausschreibung erfüllen und damit zum Hearing überhaupt zugelassen werden.
Eines der Mitglieder dieser Kommission: der von der FPÖ nominierte Peter Westenthaler. Er hatte im Vorfeld angekündigt, jene Kandidaten zu unterstützen, die sich für die Abschaffung der umstrittenen Haushaltsgebühr einsetzen.
Als erste Bewerberin ihren Hut in den Ring geworfen hat Lisa Totzauer. Sie ist derzeit ORF-Magazinchefin. Ebenfalls für den ORF-Chefposten kandidieren unter anderem Ex-Puls-4-Geschäftsführer Markus Breitenecker – er wird von den Neos forciert –, ORF-III-Chefin Kathrin Zierhut-Kunz und Exxpress-Herausgeberin Eva Schütz..
Als Favorit von ÖVP-Chef und Bundeskanzler Christian Stocker gilt aber Clemens Pig, Chef der Austria Presse Agentur (APA). Er hat diesen Vertrag bereits aufgelöst und sich mehr oder weniger in letzter Sekunde als ORF-General beworben. Er habe aber keine Zusage der ÖVP für die ORF-Funktion, hatte er im "Standard"-Interview zu Protokoll gegeben.
Jene Kandidaten, die die Findungskommission zum Hearing zulässt, stellen sich dann am Abend des 8. Juni im ORF-Funkhaus einer öffentlichen Präsentation. Diese soll in ORF III und ORF On zu sehen sein. Dieser öffentliche Auftritt ist notwendig, weil der Stiftungsrat laut Europäischem Medienfreiheitsgesetz ein transparentes, offenes, wirksames und nicht diskriminierendes Bestellungsverfahren gewährleisten muss.
Schon diesen Dienstag bitten die Neos ebenfalls zu einem Hearing. Das dürfte allerdings ein veritabler Flop werden. Denn die Pinken haben sich mehrere Absagen abholen müssen. Fix mit dabei sind nach "Heute"-Infos jedenfalls Clemens Pig, Markus Breitenecker, Lisa Totzauer, Medienmanager Johannes Larcher und Ex-ORF-Managerin Petra Höfer.
Die eigentliche Wahl schließlich findet dann am 11. Juni statt – in einer nicht öffentlichen Sitzung des Stiftungsrates. Die Gremienmitglieder wählen dabei in einer Wahlzelle, die Stimmzettel sind aber namentlich markiert. Zudem müssen die Stiftungsräte begründen, warum eine Kandidatin oder ein Kandidat besser für den ORF-Topjob geeignet ist als die anderen.
Für die Wahl genügt die einfache Mehrheit der 35 Mitglieder. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Stiftungsrats-Vorsitzenden Heinz Lederer. Er führt den SPÖ-Freundeskreis im Gremium an. Je sechs Mitglieder im Gremium sind von der Regierung und von den Parlamentsparteien nominiert. Je neun entsenden die Bundesländer und der Publikumsrat, die übrigen fünf sitzen auf einem Ticket des ORF-Zentralbetriebsrats.
Unabhängig wie diese Wahl ausgeht: Sie kann jedenfalls angefochten werden, wie auch Lederer zuletzt festgehalten hatte: "Der Rechtsweg steht natürlich allen offen." Damit könnte das Drama um den neuen ORF-Chef in einen weiteren Akt gehen …