Am 11. Juni wählt der ORF-Stiftungsrat den neuen Chef oder die neue Chefin am Küniglberg. Schon drei Tage davor stellen sich jene Bewerber, die am Montag von der "Findungskommission" zugelassen werden, einem öffentlichen Hearing.
Die ORF-Belegschaft hat den 35 Mitgliedern des Stiftungrates im Vorfeld "Hilfspakete" für eine unabhängige Wahl der Generaldirektion übermittelt. Der Inhalt sei eine "freundliche, aber unmissverständliche Erinnerung daran, dass politische Wünsche beim Auswahlprozess für die Geschäftsführung des ORF keine Rolle spielen dürfen und allein die fachliche Eignung der Bewerberinnen und Bewerber zu beurteilen ist", so die Initiatoren.
Das Herzstück des Pakets ist ein Nachschlageswerk mit "Rechtsgrundlagen für Stiftungsräte". Die wichtigen Passagen und Gesetze darin, etwa das Bundesverfassungsgesetz zur Sicherung der Unabhängigkeit des Rundfunks, sind bereits extra markiert.
Ebenfalls freuen dürfen sich die Stiftungsräte über einen Marker für wichtige Notizen und einen Stift "in politisch unverfänglicher Farbe", nämlich lila. Dazu gibt es noch eine Kapsel Kaffee als "Energieboost" für das Lesen der Bewerbungsunterlagen und einen "Spezialtee" mit dem Namen "Geistesblitz". Der soll für gute Entscheidungen sorgen.
Die ORF-Mitarbeiter erinnern auch daran, dass die Stiftungsräte bei gesetzwidrigem Verhalten unter Umständen persönlich haften. Zudem seien sie an keine Weisungen und Aufträge gebunden". Kritik gibt es an den sogenannten parteipolitischen "Freundeskreisen" im Gremium. Denn diese seien gesetzlich nicht vorgesehen.
Aufgrund der vergangenen Wochen äußert die Belegschaft Zweifel, ob die gesetzlich vorgesehene Unabhängigkeit auch tatsächlich gelebt wird.
„Es geht um eine Entscheidung, die nicht der Politik dient, sondern dem ORF.“Initiatie "mituns.net" der ORF-Belegschaft Richtung Stiftungsrat
Die "Hilfspaket"-Aktion ist übrigens nicht das erste Signal der Mitarbeiter. Mit den Social-Media-Aktionen #nichtmituns und #mituns haben sich rund 700 von ihnen aus allen Bereichen des Unternehmens unter anderem gegen Parteipolitik im Stiftungsrat ausgesprochen. Das Aufsichtsgremium des ORF müsse mit unabhängigen und anerkannten Experten besetzt werden, so die Forderung.
Ihre Botschaft Richtung der Stiftungsräte ist klar: "Es geht um eine Entscheidung, die nicht der Politik dient, sondern dem ORF, seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag und damit den Menschen in Österreich."