Beim ORF wird intensiv über weitere Sparmaßnahmen diskutiert. Nach bereits laufenden Einsparungen könnten ab 2027 zusätzliche Kürzungen in Millionenhöhe notwendig werden. Die Folgen würden laut ORF-Spitze auch für das Publikum sichtbar werden.
ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher schlug vergangene Woche Alarm. Hintergrund sind Überlegungen innerhalb der Bundesregierung, die finanzielle Unterstützung des Bundes für den ORF neu zu regeln. Zusätzlich zum bestehenden Sparkurs könnte dadurch ein weiterer Einsparungsbedarf von rund 85 Millionen Euro jährlich entstehen.
"Das Publikum wird es spüren", warnte ORF-Chefin Thurnher. Und weiter: "Das ist in einer Dimension und Kurzfristigkeit, die an den Grundfesten rüttelt."
Schon jetzt muss der Sender aufgrund des eingefrorenen ORF-Beitrags Einsparungen vornehmen. Laut Thurnher stelle sich angesichts der Größenordnung die Frage, ob der ORF künftig noch in seiner bisherigen Form bestehen könne. Ausgenommen von möglichen Kürzungen seien jene Bereiche, "wo es um den Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags geht".
Die Diskussionen sorgen auch in der heimischen Film- und Fernsehbranche für Unruhe. Die Produzentenverbände Film Austria und aafp befürchten, "dass Kürzungen ausschließlich in einem Bereich stattfinden könnten, der keine langfristigen Vereinbarungen aufweist, also im Programm."
Tatsächlich gelten Programme als jener Bereich, in dem kurzfristig am ehesten gespart werden kann. Verträge mit Mitarbeitern oder bestehende Fernsehrechte lassen sich nicht ohne Weiteres beenden. Größere strukturelle Änderungen benötigen zudem deutlich mehr Zeit.
Besonders viel Aufmerksamkeit erregt laut KURIER ein Bericht über mögliche Kürzungspläne in der Unterhaltung. Demnach könnte die "Millionenshow" mit Armin Assinger im kommenden Jahr auslaufen. Eine endgültige Entscheidung soll allerdings noch nicht gefallen sein. Laut dem Bericht wird versucht, ein mögliches Ende möglichst lange hinauszuschieben, da zunächst Ersatzformate gefunden werden müssten.
Die Produktionskosten der beliebten Quizsendung sollen sich auf rund fünf Millionen Euro pro Jahr belaufen.
Während die Zukunft der "Millionenshow" offen ist, dürfte das Schicksal anderer Sendungen bereits besiegelt sein. Die Vorabendformate "Q1 - eine Antwort ist falsch" mit Oliver Polzer sowie "Smart10 - Das Quiz mit den zehn Möglichkeiten" mit Caroline Athanasiadis sollen eingestellt werden. Laut Bericht wurden die betroffenen Produzenten darüber bereits informiert, heißt es in dem Bericht weiter.
Auch bei "Universum - Die Show" mit Mirjam Weichselbraun dürfte es nur noch eine weitere Ausgabe geben. Diese soll vor allem dazu dienen, genügend Material für spätere Wiederholungen bereitzustellen.
Im Film- und Serienbereich dürfte vorerst weniger stark gespart werden. Dieser Bereich soll nach derzeitigen Überlegungen möglichst geschont werden.
Auch im Sportbereich werden Veränderungen geprüft. Rund um die Bundesliga-Highlights soll eine neue Sendung entstehen. Dadurch stellt sich gleichzeitig die Frage, wie es mit dem langjährigen Format "Sport am Sonntag" weitergeht.
Der ORF selbst wollte die kolportierten Streichungslisten nicht bestätigen. In einer Stellungnahme gegenüber dem KURIER heißt es: "Gerüchte über Einzelsendungen und etwaige Streichungslisten" würden nicht kommentiert.
Zugleich verweist der Sender auf die angespannte wirtschaftliche Lage: "Wie für alle Medienunternehmen in Österreich werden die kommenden Jahre auch für den ORF aus wirtschaftlicher Sicht äußerst herausfordernd. Der ORF wird selbstverständlich seinen Beitrag zu den notwendigen Einsparungen leisten und setzt aktuell schon ein Sparpaket von mehr als 300 Millionen Euro bis 2026 um. Trotz größtmöglicher Anstrengungen bei strukturellen Einsparungen drohen ,spürbare‘ Einsparungen bei Programmen."
Der ORF betont zudem, dass mögliche Maßnahmen vor allem dazu dienen sollen, "weiterhin die Finanzierung öffentlich-rechtlicher Kernaufträge und publikumsstarker Hauptabendangebote sicherzustellen".