Der ORF kommt weiter nicht zur Ruhe. Während hinter den Kulissen um den Chefposten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gerungen wird, eskaliert nun auch die Lage bei ORF III. Die Betriebsversammlung des Spartensenders schlägt Alarm und fordert Konsequenzen.
In einem internen Appell beschreibt die Belegschaft die aktuelle Situation als die "schwierigste und herausforderndste Zeit seit der Gründung" des Senders. ORF III sei zuletzt Gegenstand "medialer Negativ-Berichterstattung", die nicht nur dem Sender selbst, sondern auch dem gesamten ORF und den Mitarbeitern schade.
Besonders groß seien laut Betriebsversammlung "Unmut und die Verunsicherung in der Belegschaft". Man wolle "Aufmerksamkeit durch unsere inhaltliche Arbeit und nicht durch Skandale erregen". Wörtlich heißt es außerdem: "Es darf in Zukunft nicht einmal mehr der Eindruck von käuflicher Berichterstattung entstehen."
Die Mitarbeiter pochen dabei auf klare Standards innerhalb des Hauses. "Redaktionelle Integrität und wertschätzendes Führungsverhalten müssen unverhandelbar sein", heißt es in dem Schreiben. Gefordert werde die "Wiederherstellung eines vertrauensvollen Arbeitsumfelds", damit sich die Mitarbeiter wieder voll auf ihre Aufgaben konzentrieren könnten.
Zugleich betont die Betriebsversammlung die Bedeutung des Senders für den öffentlich-rechtlichen Auftrag. ORF III sei "gelebter öffentlich-rechtlicher Auftrag", der Erhalt des Senders daher "unverzichtbar". Seit Jahren erfülle der Kanal seinen Programmauftrag "in hohem Maße", dem man sich "mit großem Engagement und Enthusiasmus" widme. Das Vertrauen des Publikums stehe nun jedoch "auf dem Spiel".
Abschließend richtet die Betriebsversammlung einen direkten Appell an die neue ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher. Sie solle die angekündigte Prüfung der Vorwürfe gegen die ORF-III-Programmgeschäftsführung "rasch zum Abschluss bringen" und danach entsprechende Maßnahmen setzen. Ziel müsse wieder ein "professionelles und von gegenseitigem Respekt getragenes Umfeld" sein.