Mehr Wahlfreiheit, weniger Sitzenbleiben: Die Bundesregierung plant einen neuen Anlauf für eine umfassende Reform der Oberstufe. Schüler sollen künftig stärker selbst entscheiden können, welche Inhalte sie vertiefen und welche Schwerpunkte sie setzen wollen.
Grundlage dafür ist ein neues Kurs-Modulsystem, das laut Ministerratsbeschluss ausgebaut werden soll. Bis März 2027 sollen dafür administrative Hürden abgebaut werden, damit Schulen flexiblere Modelle leichter umsetzen können.
Schon jetzt gibt es neben der klassischen Oberstufe die sogenannte "Semestrierte Oberstufe". Dabei wird der Unterrichtsstoff ab der 6. Klasse AHS beziehungsweise ab der 2. Klasse an Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen in Semester-Module aufgeteilt. Wer ein Modul negativ abschließt, muss nur dieses wiederholen – nicht das gesamte Schuljahr.
Zusätzlich können Schulen bereits jetzt schulautonom Kurssysteme einführen. Dort haben Jugendliche etwa die Möglichkeit, alternative Pflichtgegenstände zu wählen oder Module aus höheren Semestern vorzuziehen. In der Praxis sei ein "echtes" Modulsystem aber bisher selten, sagte SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer im Gespräch mit der APA.
Laut Bildungsministerium setzen derzeit nur 24 AHS und 72 BMHS auf eine "Semestrierte Oberstufe". Dabei würden unter diesem Begriff ganz unterschiedliche Modelle geführt.
Künftig sollen vor allem die AHS-Oberstufen mehr Freiheiten bekommen. Ziel sei eine "flexible Schwerpunktbildung im Rahmen eines Kurs-Modulsystems", heißt es im Ministerratsbeschluss. Nach den Vorstellungen der SPÖ sollen Schüler künftig deutlich mehr Unterricht nach ihren Interessen auswählen können.
Im Idealfall soll es laut Himmer bei Pflichtfächern wie Mathematik sowohl Basismodule als auch Vertiefungs- oder Fördermodule geben. Ganz abwählen will er Pflichtgegenstände aber nicht: "Es gibt einen etablierten Fächerkanon, der sollte auch grundsätzlich erhalten bleiben."
Änderungen wünscht sich Himmer außerdem beim Sitzenbleiben. Die derzeitigen Regeln seien zu kompliziert. Aktuell kann man in der "Semestrierten Oberstufe" nur mit maximal einem beziehungsweise einmalig mit zwei negativen Modulen aufsteigen.
"Damit ist das Aufsteigen nicht wesentlich anders als in einer Ganzjahresschule geworden", sagte Himmer. Er wolle deshalb "von diesem Sitzenbleiben in Jahresstufen" wegkommen und gemeinsam mit Schüler-, Eltern- und Lehrervertretungen neue Lösungen diskutieren.
Dabei gehe es nicht darum, Schule einfacher zu machen, betonte der ehemalige Lehrergewerkschafter. "Das Ziel ist, dass in der Schule meine besonderen Interessen gefördert werden und ich mich spezialisieren kann."
Erste Schulversuche mit modularen Oberstufen gab es in Österreich bereits vor mehr als 20 Jahren. Mehrere Anläufe für eine flächendeckende Einführung scheiterten jedoch – zuletzt vor vier Jahren. Nun will die Regierung das System über mehr schulautonome Freiräume breiter etablieren.
Neben neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen kündigte die Regierung auch pädagogische Konzepte, Fortbildungen für Lehrkräfte und Unterstützungsangebote für Schulen an. Erfahrungen aus bisherigen Modellversuchen sollen dabei in die Weiterentwicklung einfließen.