Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) ist mit seinen Plänen zur Verlängerung der Volksschule auf sechs Jahre bei seinem Koalitionspartner ÖVP in Tirol auf Widerstand gestoßen.
Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) – derzeit Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz – bezeichnete das Vorhaben "allein aufgrund der Infrastruktur" als "nicht stemmbar", berichtete die "Tiroler Tageszeitung" ("TT“) . Wenn eine Gemeinde eine Volksschule errichte, die auf vier Jahrgänge ausgerichtet sei, "haben nicht auf Anordnung sechs Jahrgänge Platz".
Die Diskussion widerspreche zudem dem Konzept, das in Tirol verfolgt werde: "Wir sollten den Bildungsbereich inhaltlich und verwaltungstechnisch reformieren, aber nicht komplett auf den Kopf stellen."
Dem pflichtete der Präsident des Tiroler Gemeindeverbandes, Karl-Josef Schubert (ÖVP), bei. Der Bürgermeister der Gemeinde Vomp meinte zwar, dass eine sechsjährige Volksschule bildungspolitisch "die richtige Entscheidung" sein möge. "Als Gemeinden können wir massive Umbauarbeiten, die vielerorts damit verbunden wären, aber nicht leisten", sagte er der "TT" und forderte im Falle einer Einführung finanzielle Unterstützung des Bundes.
Auch die FPÖ drückte ihre Ablehnung dazu aus. "Unter dem Deckmantel von 'Chancengerechtigkeit' und 'Modernisierung' verbirgt sich nichts anderes als der altbekannte, gescheiterte Traum der Linken von der Gesamtschule", sagte FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl in einer Aussendung.
Wiederkehr verteidigte seine Pläne unterdessen in einem Interview mit dem "Kurier" (Sonntag-Ausgabe). Es gebe viel Evidenz aus anderen Ländern, dass eine sechsjährige Volksschule zu mehr "Chancengerechtigkeit und besserer Leistung" führe – Vorbild sei für ihn die Schweiz. Aktuell werden Pilotvolksschulen gesucht.