Harte Strafen für Eltern

Kopftuch, Ramadan – Minister spricht im ORF Machtwort

Deutschkenntnisse, Konflikte im Klassenzimmer & Co. – die Baustellen im Bildungssystem sind groß. Minister Wiederkehr sagt an, wie er vorgehen will.
Nicolas Kubrak
03.05.2026, 12:42
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Das aktuelle Schuljahr neigt sich langsam dem Ende zu, ab Herbst stehen große Änderungen an: So kommen u. a. ein Chancenbonus in Höhe von 65 Millionen Euro jährlich, ein neues Modell der Deutschförderung sowie das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14.

Federführend für die Umkrempelung des heimischen Bildungssystems ist Christoph Wiederkehr (NEOS), der am Sonntag in der ORF-Pressestunde seine Visionen präsentierte.

"Deutsch ist Voraussetzung"

Ein zentrales Thema: die Deutschkenntnisse an Österreichs Schulen. Laut Wiederkehr seien die aktuellen Zahlen "alarmierend" und zugleich "das drängendste Problem im Bildungssystem". Wer die Sprache nicht beherrsche, könne auch nicht an der Gesellschaft teilhaben. "Deutsch ist keine optionale Wahlmöglichkeit, sondern Voraussetzung, um Bildung zu erwerben", stellte der Minister klar.

Die Zahl der Deutschförderkräfte sei bereits verdoppelt worden, ab dem kommenden Schuljahr werde zudem die Art der Förderung neu aufgestellt. Sein Ziel ist eindeutig: "Alle Kinder, die in Österreich aufwachsen, müssen die deutsche Sprache beherrschen."

30 Stunden Kindergarten, 6 Jahre Volksschule

Früher ansetzen will der Minister bereits im Kindergarten. Derzeit würden viele Kinder zwei Jahre in Betreuung verbringen – gerade Familien ohne Deutschkenntnisse schickten ihre Kinder aber oft nur ein Jahr dorthin, "aus kulturellen Gründen", so Wiederkehr. Konkret brachte er verpflichtende 30 Stunden in den Kindergartenjahren für Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse.

Große Pläne hat der NEOS-Minister auch in der Primarstufe. Im ORF-Gespräch befürwortete er eine sechsjährige Volksschule nach Vorbild einiger europäischer Staaten. Eine längere Volksschulzeit eröffne neue pädagogische Möglichkeiten, gleichzeitig würde der Druck auf Kinder reduziert: "Aktuell haben wir eine unglaubliche Drucksituation in der dritten Klasse", etwa durch die frühe Entscheidung zwischen Gymnasium und Mittelschule.

Kopftuch, Ramadan – Wiederkehr mit Klartext

Zum Kinderkopftuchverbot an Schulen sagte Wiederkehr, dass diese Maßnahme notwendig sei, da der Druck auf muslimische Mädchen steigen würde – sowohl durch Eltern als auch gleichaltrige Burschen. Wichtig sei ihm gewesen, die Schulen zu entlasten: Lehrkräfte sollen keine Strafen verhängen, sondern Verstöße melden.

Er erklärte zudem, wie das Prozedere bei einem Verstoß ablaufen wird: Die Direktion führt Gespräche mit den Eltern, im Wiederholungsfall wird die Behörde eingeschaltet. "Das Verfahren wird nicht an der Schule geführt", so der Minister. Ziel sei es, das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrern und Schülern zu schützen. Sanktionen treffen letztlich die Eltern – und steigen bei Uneinsichtigkeit.

"Fasten darf Gesundheit nicht beeinträchtigen"

Auch das Thema Ramadan wurde in der Pressestunde thematisiert – mittlerweile ein fester Bestandteil an vielen Schulen Österreichs. Kritik, es werde zu wenig unternommen, wies Wiederkehr zurück und verwies auf die Trennung von Staat und Religion. Ob jemand faste, sei Privatsache – gleichzeitig dürfe das Fasten weder Gesundheit noch Lernerfolg beeinträchtigen.

Es gebe klare Empfehlungen des Ministeriums, wonach minderjährige Schüler nicht fasten sollten. "Wenn sie es tun, ist es eine private Entscheidung", sagte Wiederkehr, betonte aber: Wo das Kindeswohl gefährdet sei, werde genau hingesehen.

{title && {title} } nico, {title && {title} } 03.05.2026, 12:42
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