Nach Jahren voller Dauerstreit und gegenseitiger Provokationen will Ungarn zurück auf die europäische Bühne: Viktor-Orbán-Nachfolger Peter Magyar hat in Budapest eine politische Kehrtwende eingeläutet: Ungarn soll in der EU wieder ein verlässlicher Partner sein.
Die ungarische Comeback-Tour startet kommende Woche: Der am Samstag angelobte Premier Peter Magyar reist zunächst nach Polen. Der TISZA-Chef betonte mehrfach, er wolle nach den jahrelangen Spannungen unter Viktor Orbán die "tausendjährige polnisch-ungarische Freundschaft" neu beleben.
Schon einen Tag später führt ihn seine zweite Auslandsreise nach Wien. Dort wird Magyar am 21. Mai erwartet. Im Kanzleramt ist bereits von einem "neuen Schulterschluss im Herzen Europas" die Rede.
Die Einladung erfolgte durch Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP). Er wird Magyar am Donnerstagvormittag mit militärischen Ehren am Ballhausplatz begrüßen. Anschließend steht ein 4-Augen-Gespräch am Programm, bevor beide Regierungschefs vor die Presse treten. Im Beisein der Delegation gibt es zudem ein Arbeitsmittagessen.
Mit Magyar reist seine Stellvertreterin und Außenministerin Anita Orbán nach Wien, auf rot-weiß-roter Seite nimmt Europaministerin Claudia Bauer (ÖVP) an den Gesprächen teil.
Thematisch steht für Stocker und Magyar einiges auf dem Programm – von wirtschaftlichen Beziehungen über die Zusammenarbeit in Migration und Sicherheit bis hin zu den Folgen der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten.
"Wien und Budapest rücken wieder näher zusammen", freut man sich im Kanzleramt. Im Fokus des Treffens stehe die Wiederannäherung mit einem wichtigen Nachbarn, Partner und Verbündeten.
"In der künftigen Zusammenarbeit mit der bürgerlichen, klar pro-europäischen ungarischen Regierung muss wieder das konstruktive Miteinander im Vordergrund stehen, sowohl bilateral als auch auf europäischer Ebene. Für vertrauensvolle Beziehungen zwischen Österreich und Ungarn und für eine starke und geeinte Europäische Union statt Blockaden und Abschottung", heißt es.