"Ich werde nicht über Ungarn herrschen, sondern meinem Land dienen" – mit diesen Worten trat Peter Magyar sein Amt als Ungarns Regierungschef an. Nach 16 Jahren unter Viktor Orbán wurde am Samstag der pro-europäische Konservative im Parlament gewählt und gleich darauf angelobt.
In seiner ersten Rede nutzte Magyar die Gelegenheit, um die Politik seines Amtsvorgängers scharf zu kritisieren. Unter Orbán sei Ungarn zum "korruptesten Land der EU" geworden. Der Neo-Premier betonte, dass heute "rund 800.000 ungarische Pensionisten unter dem Existenzminimum leben" und "rund 400.000 ungarische Kinder schlimme Entbehrungen erleiden müssen". Magyar kündigte an, eine unabhängige Behörde zu schaffen, die die in 16 Jahren unter Orbán "begangenen Missbräuche" aufdecken und die veruntreuten Gelder zurückholen soll.
Gleichzeitig sorgte Magyar für einen Eklat: Er schloss es aus, mit Präsident Tamas Sulyok, einem Vertrauten von Orbán, zusammenzuarbeiten, obwohl dieser am Samstag eine "konstruktive Zusammenarbeit" angeboten hatte. In Richtung des Staatsoberhaupts rief der Premier: "Herr Präsident, treten Sie erhobenen Hauptes ab, solange es noch möglich ist." Sulyok und "alle Marionetten, die vom System Orbán auf Schlüsselpositionen gesetzt wurden", sollten bis 30. Mai zurücktreten.
Orbán selbst blieb der konstituierenden Sitzung des Parlaments fern. Der 62-jährige Rechtsnationale hatte nach der Wahl am 12. April angekündigt, sein Mandat nicht anzutreten. In seinem letzten Interview als amtierender Premierminister betonte er, dass er sich allen Untersuchungen stellen werde, die die Rechtmäßigkeit seiner Amtsführung untersuchen würden. Er sei ein "ehrlicher Mann", der seine Arbeit redlich verrichtet habe, so Orbán im Podcast des Rappers "Dopeman".