Ein Hantavirus-Verdachtsfall mit Österreich-Bezug sorgt derzeit für erhöhte Aufmerksamkeit bei den Gesundheitsbehörden. Auslöser ist ein Vorfall an Bord eines Flugzeugs in Johannesburg.
Wie "Heute" erfuhr, kam es dort während des Boardings zu einem medizinischen Zwischenfall: Eine später bestätigte infizierte Person hatte bereits ihren Sitzplatz eingenommen, ehe sich ihr Zustand plötzlich verschlechterte. Noch vor dem Start musste der Passagier die Maschine wieder verlassen.
Eine Person aus Österreich befand sich zu diesem Zeitpunkt in unmittelbarer Nähe und wurde deshalb als Kontaktperson eingestuft. Laut Gesundheitsministerium handelt es sich dabei um einen Niedrigrisiko-Kontakt. Die betroffene Person zeigt bisher keine Symptome, eine Ansteckung gilt nach aktuellem Wissensstand als "äußerst unwahrscheinlich".
Auch zwei weitere Reisende wurden erfasst. Sie reisten nach ihrer Ankunft in Schwechat allerdings direkt weiter und befinden sich nicht mehr in Österreich.
Hantavirus - was du jetzt wissen musst
▶ Typische Übertragung: In der Regel durch Einatmen von aufgewirbeltem, viruspartikelhaltigem Staub (Kot, Urin, Speichel von Mäusen).
▶ Ausnahme Andes-Virus: Nur bei diesem spezifischen Hantavirus-Typ wurde eine Übertragung zwischen Menschen nachgewiesen.
▶ Mensch-zu-Mensch-Übertragung: Primär bei sehr engem, längerem Kontakt mit Infizierten, oft im familiären Umfeld oder bei der Pflege.
▶ Ansteckungsfähigkeit: Infizierte Personen mit dem Andes-Virus können bereits ab Beginn leichter Symptome ansteckend sein.
▶ Symptome: Plötzlich hohes Fieber, Kopf-/Gliederschmerzen, Nierenprobleme.
▶ Inkubationszeit: Meist 2 bis 4 Wochen, in einigen Fällen nur fünf Tage.
▶ Gefahr: Schwere Verläufe mit Nierenversagen möglich, aber selten.
▶ Behandlung: Erfolgt rein symptomatisch, da keine spezifischen antiviralen Medikamente zur Heilung existieren.
Der Vorfall steht im Zusammenhang mit einem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik. International wurden bislang elf Fälle registriert – neun bestätigte sowie zwei Verdachtsfälle. Drei Menschen kamen ums Leben. Sämtliche bekannten Infektionen betreffen Personen, die sich zuvor an Bord des Schiffes aufgehalten hatten.
Als Reaktion darauf verschärfte Österreich bereits am vergangenen Wochenende die Meldepflicht. Seit 9. Mai müssen nicht nur bestätigte Erkrankungen und Todesfälle, sondern auch Verdachtsfälle von Mensch-zu-Mensch-übertragbaren Hantavirus-Infektionen gemeldet werden.
Gesundheitsministerin Korinna Schumann betont jedoch, dass aktuell keine Gefahr für die Bevölkerung bestehe: "Für die Bevölkerung in Österreich besteht nach aktuellem Stand kein Anlass zur Sorge. Es gibt derzeit keine bestätigten Fälle im Inland, und auch die internationalen Fachbehörden bewerten das Risiko für die Allgemeinbevölkerung weiterhin als sehr gering. Die Erweiterung der Meldepflicht schon vergangenes Wochenende war eine vorsorgliche Maßnahme, um mögliche Verdachtsfälle frühzeitig zu erkennen und medizinisch rasch richtig einordnen zu können."
Beim aktuellen Erreger handelt es sich um das sogenannte Andes-Virus. Anders als die meisten Hantavirus-Arten kann diese Variante auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Die Symptome reichen von Fieber und Muskelschmerzen bis hin zu schwerem Atemversagen. Eine spezifische antivirale Behandlung existiert derzeit nicht.