Markus Breitenecker packt aus

General-Kandidat warnt: "Werden ORF sonst verlieren!"

Medienmanager Markus Breitenecker (57) meldet sich erstmals nach seiner ORF-Kandidatur zu Wort – und spart dabei nicht mit klaren Ansagen.
Heute Politik
23.05.2026, 17:33
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Der Kampf um die Spitze des ORF wird immer intensiver. Jetzt meldet sich Medienmanager Markus Breitenecker (57) erstmals ausführlich nach seiner Kandidatur für den Posten des Generaldirektors zu Wort. Im Interview mit der "Krone" spricht der 57-Jährige über politische Einflussnahme, Machtkämpfe im ORF und darüber, warum er trotz aller Diskussionen nicht an ein "abgekartetes Spiel" glaubt.

Breitenecker macht gleich zu Beginn klar, warum er sich die Kandidatur überhaupt antut. Die Wahl des ORF-Chefs sei zwar "eine hochpolitische Sache", dennoch gehe es um weit mehr als nur einen einzelnen Spitzenposten. Für ihn stehe die Zukunft der Medienvielfalt in Österreich auf dem Spiel. Der ORF befinde sich in einer "veritablen Krise" und brauche einen Neustart: "Er ist derzeit stark gefährdet, und wenn er sich jetzt nicht verändert, werden wir ihn verlieren."

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Der langjährige Medienmanager verweist dabei auf seine jahrzehntelange Erfahrung. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet Breitenecker im TV- und Streaminggeschäft. Der ausgebildete Jurist startete 2008 den Sender Puls 4, später folgte Puls 24. Außerdem war er an der Entwicklung der Streamingplattform Joyn beteiligt. Zuletzt arbeitete er im Vorstand von ProSiebenSat.1 Media.

"Glaube jedenfalls grundsätzlich an das Gute"

Besonders aufhorchen lässt seine Aussage zur umstrittenen ORF-Wahl. In den vergangenen Wochen wurde immer wieder spekuliert, dass die Entscheidung längst politisch ausverhandelt sei. Breitenecker widerspricht dem deutlich. "Ich glaube jedenfalls grundsätzlich an das Gute", sagt er im Interview. Er vertraue darauf, dass die unabhängigen Stiftungsräte "nach bestem Wissen und Gewissen" entscheiden würden.

Gleichzeitig räumt er ein, dass er auch mit Bundeskanzler Christian Stocker gesprochen habe. Laut Breitenecker sei es dabei um die schwierige Lage des ORF gegangen. Sein Eindruck sei gewesen, dass dem Kanzler ein "faires und transparentes Verfahren" wichtig sei. Mit seinem Konzept will Breitenecker den ORF neu aufstellen. Das Papier trägt den Titel "Ein souveräner ORF. Vom Marktführer zu Marktmotor".

"Toxische Unternehmenskultur"

Der ORF müsse künftig stärker mit anderen heimischen Medien kooperieren, statt sich nur auf Marktanteile zu konzentrieren. Vor allem gegenüber internationalen Plattformen und Social-Media-Konzernen brauche es laut Breitenecker mehr Zusammenarbeit innerhalb Österreichs. Dabei betont er, dass die journalistische Vielfalt unangetastet bleiben müsse. Kooperationen könne er sich etwa bei technischen Plattformen oder in der Vermarktung vorstellen. Sein Ziel sei es, die heimische Medienlandschaft langfristig abzusichern.

Breitenecker nennt im Gespräch drei zentrale Punkte für seine mögliche Amtszeit. Der ORF müsse erstens ein möglichst starkes Qualitätsprogramm liefern – mit viel Österreich-Bezug, regionalen Inhalten und unabhängigen Nachrichten. Zweitens solle der Sender technologisch eine Vorreiterrolle übernehmen. Und drittens brauche das Unternehmen dringend eine andere Unternehmenskultur.

"Einige schwarze Schafe"

Gerade bei diesem Thema wird der Medienmanager ungewöhnlich deutlich. Die vergangenen Monate hätten dem ORF massiv geschadet. Immer wieder sorgten Berichte über Machtmissbrauch, Führungsprobleme und interne Konflikte für Schlagzeilen. Breitenecker spricht von einer "toxischen Unternehmenskultur" in Teilen des Spitzenmanagements. Das habe für enormen Frust innerhalb des Unternehmens gesorgt.

Gleichzeitig nimmt er viele Mitarbeiter in Schutz. Der schlechte Ruf sei nicht wegen der "tausenden hervorragenden ORF-Mitarbeiter" entstanden, sondern wegen "einiger schwarzer Schafe". Auch das Publikum habe dieses Bild des Senders nicht verdient. Beim Thema Gehälter fordert Breitenecker mehr Transparenz. Gute Leute dürften zwar auch gut verdienen, sagt er. Entscheidend sei aber, dass Einkommen an Leistung gekoppelt werden. "Das Gehalt muss an Leistung geknüpft und transparent sein", erklärt der 57-Jährige.

Auch bei den Ausgaben des ORF setzt Breitenecker eigene Schwerpunkte. Sparen solle der Sender eher bei Verwaltung und Sachkosten als beim Programm. Falls Kürzungen notwendig seien, dürfe jedenfalls nicht im Informationsbereich gespart werden. Unterhaltungssendungen wie "Dancing Stars" sieht er grundsätzlich weiterhin als Teil des öffentlich-rechtlichen Auftrags. Gleichzeitig wünsche er sich aber mehr selbst entwickelte Formate, die der ORF später sogar international verkaufen könnte.

Anderer ORF-Posten komme nicht infrage

Besonders wichtig ist ihm außerdem die Regionalität. Die neun Landesstudios hätten noch großes Potenzial. Breitenecker will mehr Bürgernähe und mehr Dialog mit dem Publikum. Sogar Bürgermeister möchte er künftig stärker in regionale Formate einbinden. Bei der Finanzierung des ORF bleibt Breitenecker vorsichtig. Ob die Haushaltsabgabe bleiben soll oder nicht, sei letztlich Sache des Gesetzgebers. Das aktuelle Modell sei allerdings international durchaus üblich und habe sich als praktikabel erwiesen.

Auch über eine Reform des ORF-Stiftungsrats will er nicht vorschnell urteilen. Dass die Regierung im Herbst einen Reformprozess starten wolle, begrüßt er grundsätzlich. Dabei werde sicher auch über die politische Unabhängigkeit der Gremien diskutiert werden. Klar positioniert sich Breitenecker dagegen bei möglichen "Hinterzimmerdeals". Immer wieder wird spekuliert, welche Kandidaten sich gegenseitig unterstützen oder gemeinsame Personalpakete vorbereiten könnten. Der Medienmanager hält davon wenig. Er gehe "mit offenem Visier" in die Wahl und wolle die besten Profis für den ORF gewinnen.

Eine andere Funktion im ORF komme für ihn übrigens nicht infrage. Breitenecker bewirbt sich ausschließlich für den Posten des Generaldirektors. Gleichzeitig bezeichnet er sich selbst mehrfach als "Teamplayer". Er spricht sich für flache Hierarchien und sogar für ein Vier-Augen-Prinzip in der Geschäftsordnung aus. Am 11. Juni fällt schließlich die Entscheidung über die neue ORF-Spitze. Bis dahin will Breitenecker weiter für seinen Kurs werben. Was passiert, falls er die Wahl verliert? Darüber denke er derzeit noch nicht nach. "Bis zum 11. Juni geht’s um einen souveränen ORF und um unseren Beitrag dafür", sagt er.

{title && {title} } pol, {title && {title} } 23.05.2026, 17:33
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