Siegfried Meryn legt sein Mandat im ORF-Stiftungsrat nieder. In einem Schreiben an die Mitglieder des Gremiums, das der APA vorliegt, begründet der Mediziner den Schritt mit seinen Erfahrungen im obersten ORF-Aufsichtsorgan und fordert strukturelle Reformen. Sein Rücktritt solle eine Debatte über die künftige Organisation des ORF anstoßen.
Meryn bleibt Mitglied des Publikumsrats, von dem er in den Stiftungsrat entsandt wurde. In den Publikumsrat war er über das Karl-Renner-Institut, die politische Akademie der SPÖ, eingezogen.
Für Aufsehen hatte zuletzt ein Streit mit dem von der FPÖ entsandten Stiftungsrat Peter Westenthaler gesorgt. Meryn hatte sich für eine ORF-Mitarbeiterin eingesetzt, die von Westenthaler wegen der Einladungspolitik zu "Licht ins Dunkel" kontaktiert worden war. Die Auseinandersetzung führte zu einer Klagsdrohung gegen Meryn und Diskussionen über die Vereinbarkeit seiner ORF-TV-Auftritte mit dem Stiftungsratsmandat.
"Aus einer Frage des Umgangs miteinander wurde eine Serie von Angriffen gegen meine Person. Nicht hinter verschlossenen Türen, sondern in einer Form, die bewusst auf Wirkung angelegt war", zitiert die APA Meryn.
Zudem kritisiert er offene Fragen bei Entscheidungsabläufen, Verantwortlichkeiten und der Weitergabe personenbezogener Informationen. "Fragen, die ein Mitglied eines Aufsichtsorgans stellen können muss, ohne damit selbst zum Gegenstand der Auseinandersetzung zu werden", so Meryn.
Sein Mandat stelle er nicht aus Resignation zur Verfügung, "sondern aus der Überzeugung, dass der ORF jetzt den Mut braucht, sich nicht nur personell, sondern auch strukturell zu erneuern". Sein Rücktritt solle zur Diskussion beitragen, "wie der ORF in Zukunft organisiert sein soll, wie seine Unabhängigkeit gestärkt werden kann und wie das Vertrauen in seine Institutionen wieder gefestigt werden kann".