ORF-Ikone Ingrid Thurnher mit Schokobananen – ein Bild mit Symbolkraft. Während jede ernstzunehmende Wahl in diesem Land spätestens zur ZiB um 17 Uhr ausgezählt ist, dauerte die Suche nach einem neuen Fernsehdirektor (!) am Donnerstag bis in den Abend (bestenfalls). Open end.
Und das, obwohl sich ÖVP und SPÖ laut übereinstimmenden Insider-Stimmen seit Wochen die Wahl von APA-Chef Clemens Pig bereits ausgeschnapst hatten. Da kann man keinem Gebührenzahler verübeln, wenn er geneigt ist, zu denken: Na, sind die denn völlig Banane?
Dabei gäbe es reichlich Gesprächsbedarf über ernsthafte Reformen für den öffentlich-rechtlichen Sender statt dieser Pseudo-Wahlchose: ehrliche Entpolitisierung etwa. Objektive Nachrichten. Aufarbeitung der Skandale. Und: effizienteres Arbeiten. Mir kann niemand erzählen, dass ein 1,1 Milliarden-Unternehmen nicht 9 Prozent einsparen kann, ohne, dass die Demokratie ins Wanken gerät. Die Regierung verlangt bekanntlich Kürzungen von 93 Millionen.
Wo steht denn, dass der ORF seinen Managern bessere Gagen als das Gehalt des Bundespräsidenten zahlen muss? Oder gleich vier TV-Kanäle, 12 Radiosender, üppige Onlinepräsenzen und Social-Media-Auftritte betreiben muss?
Jedes privatwirtschaftlich geführte Medium der Welt muss in konjunkturschwachen Zeiten seine Kosten optimieren. Das wäre auch beim ORF leicht möglich, würde er sich im KI-Zeitalter der Digitalisierung widmen – und den Privaten das überlassen, was auch sie problemlos abdecken können. Etwa Fußballspiele und Formel-1-Grands-Prix übertragen.
Der ORF sollte sich auf neutrale (!) Nachrichten, Kultur und Regionales fokussieren. Und ob es für Letzteres tatsächlich neun ORF-Landesdirektoren braucht, lassen wir jetzt einmal dahingestellt ...