Showdown um ORF-Spitze

"Tödliche Gefahren für den ORF" – So hart lief TV-Kampf

Die Entscheidung rückt näher: Sieben Bewerber kämpfen um die Nachfolge an der Spitze des ORF ab 2027. Jetzt wurden sie im TV ins Kreuzverhör genommen.
Heute Politik
08.06.2026, 21:14
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Der Kampf um die ORF-Spitze geht in die heiße Phase: Nach Ablauf der Nominierungsfrist stehen nun offiziell sieben Kandidatinnen und Kandidaten fest, die den öffentlich-rechtlichen Sender ab 2027 führen wollen. Mit dabei sind Ex-ServusTV-Chefredakteur Robert Altenburger, Puls4-Gründer Markus Breitenecker, Ex-HBO- und Hulu-Manager Johannes Larcher, die frühere APA-Spitze Clemens Pig, Exxpress-Herausgeberin Eva Schütz sowie die beiden ORF-Managerinnen Lisa Totzauer und Kathrin Zierhut-Kunz.

Bereits am Montagabend mussten sich die Bewerber einer öffentlichen Debatte stellen. Im ORF beantworteten sie Fragen aus dem Publikum, von Mitarbeitern und Vertretern der ORF-Gremien. Die eigentliche Entscheidung fällt dann am Donnerstag: Die 35 Mitglieder des ORF-Stiftungsrats hören die Konzepte der Kandidaten an und wählen anschließend den neuen Generaldirektor oder die neue Generaldirektorin. Erstmals erfolgt die Bestellung nach den Vorgaben des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes.

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Die Stiftungsräte müssen ihre Wahl begründen und darlegen, warum sie einen Kandidaten für geeigneter halten als die Konkurrenz. Für den Sieg sind mindestens 18 Stimmen nötig. Kommt im ersten Durchgang keine Mehrheit zustande, folgt eine Stichwahl zwischen den beiden bestplatzierten Bewerbern. Bei einem Patt hätte schließlich Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer das entscheidende Wort. Am Montagabend gab es bereits harte Bandagen und Säbelrasseln beim Hearing der sieben Kandidaten.

„Der ORF darf kein Selbstzweck sein und kein politischer Verschiebebahnhof“
Kathrin Zierhut-KunzORF-3-Geschäftsführerin

Pig stellte bei seiner Präsentation Vertrauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt. "Ich kandidiere als Unabhängiger für den ORF. ORF ist Teil unseres Lebens, unserer Realität, unserer Demokratie", sagte der Ex-APA-Chef. Der Sender müsse auch künftig ein Ort bleiben, "dem wir vertrauen können" – "auch für unsere Kinder". Kritisch äußerte sich Pig zur digitalen Welt, die aus seiner Sicht von Polarisierung geprägt sei. "Wir holen uns das Internet ein Stück weit zurück, für unsere Kinder, und bauen gemeinsam den ORF von morgen."

ORF-III-Geschäftsführerin Zierhut-Kunz sprach sich für einen schlankeren und stärker auf Journalismus fokussierten ORF aus. Der Sender brauche eine starke Investigativkraft, deshalb wolle sie gezielt in den Journalismus investieren. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass sich der ORF "Doppelgleisigkeiten" und "Mehrfachstrukturen" künftig "einfach nicht mehr leisten" könne und plädierte dafür, das "Programm zentral" zu denken. Klare Worte fand sie auch bei Personalentscheidungen: Positionen dürften "nur noch nach Qualifikation besetzt" werden.

Der frühere ORF-Mitarbeiter und Ex-ServusTV-Chefredakteur Altenburger verwies indes auf seine langjährige Erfahrung im Medienbereich und lobte die Belegschaft des öffentlich-rechtlichen Senders für Professionalität und Objektivität. Er kenne den ORF genau und wisse, "mit welcher Leidenschaft die ORF-Mannschaft Großereignisse stemmen". Zugleich übte er Kritik an der aktuellen Situation des Hauses. Die Krise des ORF sei aus seiner Sicht "eine Führungskrise und eine Imagekrise".

„Wer glaubt, ich möchte den ORF nach rechts rücken, das ist sicher nicht der Fall“
Eva SchützExxpress-Herausgeberin

Ex-HBO- und Hulu-Manager Larcher zeichnete ein düsteres Bild der Lage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und sprach über drei "tödliche Gefahren für den ORF". Als Gründe nannte er den aus seiner Sicht schwindenden Rückhalt in der Bevölkerung, die "schlecht gemanagte Einführung der Haushaltsabgabe" sowie Führungsversagen. Für den Fall seiner Wahl kündigte Larcher einen harten Kurs an: "Ich werde mit den Misständen aufräumen." Zudem wolle er einen "über jeden Verdacht erhabenen" Infochef installieren und "mehr Produktivität fordern".

ORF-Magazinchefin Totzauer richtete ihre Botschaftt an das Publikum, das sie als "werte Eigentümerinnen und Eigentümer" des ORF ansprach. Die langjährige Journalistin betonte ihre Erfahrung im Umgang mit politischem Druck und erklärte: "Interventionen kenne ich aus 30 Jahren als Journalistin". Gleichzeitig versprach sie: "Unter meiner Führung ist freies und unabhängiges Arbeiten möglich. Ihr Vertrauen ist unser höchstes Gut. Sie haben ein Recht auf diesen ORF. Es ist Ihr ORF."

Exxpress-Herausgeberin Schütz stellte eine umfassende Reform des ORF in den Mittelpunkt ihrer Bewerbung. Sie wolle den ORF als Generaldirektorin "reformieren, sonst kann es sein, dass wir ihn nicht mehr lange haben". Zugleich wies sie Vorwürfe einer politischen Neuausrichtung zurück: "Wer glaubt, ich möchte den ORF nach rechts rücken, das ist sicher nicht der Fall." Zur Begründung ihres Reformkurses verwies sie auf Umfragen aus dem Jahr 2024, wonach 63 Prozent der Österreicher die Haushaltsabgabe nicht für gerechtfertigt hielten.

„Herzen und Hirne unserer Kinder werden dort abgesaugt und manipuliert“
Markus BreiteneckerPuls4-Gründer

Puls4-Gründer Breitenecker bezeichnete den ORF als zentrales Leitmedium des Landes und erklärte: "Der ORF ist Österreich, wie es leibt und lebt." Er hob die hohen Vertrauenswerte des Senders hervor und sprach von einem "hervorragenden Unternehmen", das dank exzellenter Journalisten und Programmmacher das beste Österreich-Programm liefere. Gleichzeitig mahnte er Veränderungen ein, um diese Stellung auch künftig zu sichern. Größte Gefahr seien Digitalplattformen: "Herzen und Hirne unserer Kinder werden dort abgesaugt und manipuliert."

In einer Schnellfragerunde mussten die Bewerber Fragen schnell und spontan beantworten. Zierhut-Kunz erklärte auf die Frage nach der Unabhängigkeit von ORF-Produktionen, diese werde sichergestellt, "indem wir es vertraglich sicherstellen". Pig kündigte an, Beschwerden über ZIB-Beiträge bei unberechtigten Interventionen zurückzuweisen, neue Fakten aber zu prüfen und nötigenfalls Korrekturen vorzunehmen. Totzauer verteidigte die hohen Gehälter im ORF, stellte aber klar: "wenn etwas nicht passt, werden wir es ändern".

Larcher erklärte, er würde sofort Einkäufe und Lizenzen aus den USA "radikal reduzieren". Breitenecker sah den Unterschied zu Privatmedien vor allem in einem Programm "im Sinne des Gemeinwohls". Schütz definierte Qualitätsjournalismus über "messbare Kriterien", während Altenburger den "Umbau der Strukturen" als wichtigsten Hebel für einen Kulturwandel im ORF bezeichnete. Frage des ORF-Personals: Wo soll oder muss gespart werden? Pig sah Potenzial unter anderem der Zusammenlegung von Einheiten und einer neuen Gehaltspyramide.

Taferl-Abstimmung der Kandidaten mit Überraschungen

Zierhut-Kunz sprach sich gegen eine Eingliederung von ORF-Tochterunternehmen in die ORF-Mutter aus – das würde ihrer Ansicht nach Kosten verursachen statt Einsparungen bringen. Statt einer Zusammenführung wolle sie die Kultur des ORF stärken. Zudem verwies sie darauf, dass Prüfer dem Sender zuletzt effizientes Arbeiten bestätigt hätten. Auch eine Eingliederung der Vermarktungstochter Enterprise lehnte sie ab und verwies auf die gesetzlich vorgeschriebene Trennung zwischen öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Tätigkeiten.

Bei der Frage nach möglichen rechtlichen Schritten gegen die geplante Streichung von bis zu 100 Millionen Euro Bundeszuschuss pro Jahr sprachen sich sechs der sieben Kandidaten dafür aus, notfalls dagegen vorzugehen. Nur Schütz lehnte das ab. Eine Klage sei "juristisch nicht sinnvoll", hieß es. Der Sender müsse vielmehr so aufgestellt werden, dass er mit unterschiedlichen Finanzierungsmodellen bestehen könne. Larcher hielt dagegen, dass eine derart kurzfristige Kürzung ohne Folgen für den Programmauftrag nicht machbar sei.

Zierhut-Kunz bezeichnete Aussagen, der ORF könne 100 Millionen Euro jährlich problemlos einsparen, als "naiv" und verwies darauf, dass selbst die Streichung von zwei Radioprogrammen und des Radio-Symphonieorchesters nicht ausreichen würde. Für Diskussionen sorgte auch die Frage nach der Objektivität der ORF-Berichterstattung. Als einzige Kandidatin verneinte Schütz diese und begründete ihre Kritik unter anderem mit "permanente Äußerungen auf Social Media" von ORF-Journalistinnen und Journalisten.

"Ich kandidiere für den ORF, nicht für eine Partei"

Für einen der politisch brisantesten Momente des Abends sorgte FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler, der Pig zu möglichen Kontakten mit Politikern und Stiftungsratsvertretern im Vorfeld seiner Kandidatur befragte. Pig wies jede politische Nähe zurück: "Ich kandidiere für den ORF und ganz bestimmt nicht für eine Partei." Und: "Ich habe mit niemandem in dieser Republik über irgendeine Personalie gesprochen, geschweige von meiner Seite irgendeine Zusage erteilt." Breitenecker ergänzte, Einflussversuche müssten zurückgewiesen werden.

In der Frage, ob der ORF weiterhin vier TV- und zwölf Radioprogramme betreiben soll, stellte sich nur Schütz dagegen und brachte erneut eine Zusammenlegung der Sender ORF III und ORF Sport Plus ins Spiel. Zierhut-Kunz hielt entgegen, dass die Ausstrahlungskosten vergleichsweise gering seien. Sparpotenzial sehe sie vielmehr bei den "fetten Budgetbrocken" wie Sportrechten und Unterhaltung. Für die Übertragung von Skirennen stimmten alle, für jene von Formel-1-Rennen stimmten Larcher, Totzauer, Schütz und Breitenecker dagegen.

Dass es Unterhaltung wie "Dancing Stars" geben soll, befürworteten alle, ebenso wie die Ausstrahlung von Opern im Hauptabendprogramm. Ebenso stimmten alle Kandidaten für eine Gehaltsobergrenze für ORF-Mitarbeiter – auf einen konkreten Betrag wollte sich jedoch niemand festlegen. Breitenecker und Schütz stellten sich wiederum gegen mehr Social-Media-Aktivitäten des ORF, Altenburger und Larcher gegen eine Verpflichtung zu mehr österreichischen Inhalten auf dem Radiosender Ö3.

{title && {title} } pol, {title && {title} } Akt. 08.06.2026, 22:01, 08.06.2026, 21:14
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