Er war der Albtraum eines jeden Hundebesitzers: Grenzenlose Energie, unstillbarer Spieltrieb, besessen von Bellen. Kein normales Zuhause wollte den Australian Koolie "Bear" haben, doch was für den Alltag zu wild und zu ungestüm schien, war für den Dienst als besonderer Spürhund absolut perfekt.
Als einer der ersten Hunde Australiens lernte "Bear", lebende Koalas am Fellgeruch aufzuspüren. Während Menschen die niedlichen Beuteltiere in den hohen Baumkronen kaum sichten konnten, zeigte der Hund mit Leichtigkeit sofort an, wenn der Koala im Blattwerk saß. Billig war er obendrein, denn pro Fund bekam er seinen Ball. Nach einer absolut heldenhaften Karriere und mehr als 100 verletzte, aber gerettet Koalas, darf sich der Hütehund jetzt in den wohlverdienten Ruhestand begeben.
Im "Schwarzen Sommer" 2019/2020 brannten über 19 Millionen Hektar Land. Mindestens 60.000 Koalas starben, wurden verletzt oder vertrieben. Bilder von Tieren mit verbrannten Pfoten gingen um die Welt. "Bear" war mittendrin und lief mit Schutzstiefeln über die noch heiße Erde. Die Koalas saßen geschwächt fest in den Eukalyptusbäumen - genau dort, wo die Flammen am heftigsten getobt hatten.
Hollywoodstars wie Tom Hanks und Leonardo DiCaprio feierten den Lebensretter in sozialen Netzwerken und ihm wurden eine Doku und ein Kinderbuch gewidmet. "Da wurde uns klar, dass wir es nicht einfach nur mit einem Hund zu tun hatten, sondern mit einem wahren Helden", erinnert sich IFAW-Programmleiterin Josey Sharrad.
"Jetzt hat er seine Stiefel zum letzten Mal ausgezogen", teilte die Tierschutzorganisation IFAW mit. Der elfjährige Bear lebt nun bei einer seiner früheren Hundeführerinnen an der Sunshine Coast nördlich von Brisbane. Nach zehn Jahren im Einsatz darf er sich den Bauch kraulen lassen und seinem Lieblingsspiel nachgehen - dem Apportieren. Natürlich mit einem Ball. Sein Vermächtnis lebt in der nächsten Generation von Spürhunden weiter.