Koffein in Shampoos soll das Haarwachstum fördern und gegen Haarausfall wirken – so lautet das Versprechen vieler Hersteller. Betroffen sind vor allem Männer, aber auch zahlreiche Frauen suchen nach einer Lösung für dünner werdendes Haar.
Im Labor beobachteten Forscher, dass Haarfollikel in einer Koffeinlösung schneller wachsen. Doch ob die tägliche Anwendung von Koffeinshampoo auf der Kopfhaut denselben Effekt erzielt, ist nicht belegt. Wie orf.at berichtet, wurden in neun klinischen Studien Menschen mit Haarausfall auf Produkte mit und ohne Koffein aufgeteilt. Die Resultate waren widersprüchlich: Manche Studien fanden keine Wirkung, andere berichteten von mehr Haaren durch Koffein. Allerdings gab es erhebliche methodische Mängel, etwa ungenaue Zählweisen oder unvollständig veröffentlichte Ergebnisse.
Hinzu kommt, dass sämtliche dieser Studien von Koffeinshampoo-Herstellern finanziert wurden. Dadurch besteht die Gefahr, dass Ergebnisse geschönt werden oder negative Resultate gar nicht erst veröffentlicht werden.
Haarausfall bei Männern wird oft durch das Hormon Dihydrotestosteron ausgelöst, das die Haarfollikel schrumpfen lässt. Koffein kann im Reagenzglas die Wirkung dieses Hormons dämpfen. Ob das auch auf der Kopfhaut im Alltag funktioniert, ist aber nicht bewiesen. Bei Frauen sind die Ursachen für Haarausfall weniger gut erforscht, weshalb auch hier die Wirksamkeit von Koffeinshampoos fraglich bleibt.
Nachweislich helfen gegen erblich bedingten Haarausfall Medikamente wie Minoxidil, das bei Männern und Frauen eingesetzt wird, und Finasterid, das nur bei Männern wirkt. Auch Haarausfall durch Erkrankungen oder Medikamente kann gezielt behandelt werden, etwa mit Kortison bei Autoimmunerkrankungen.
Es gibt derzeit keine überzeugenden Belege dafür, dass Koffeinshampoos gegen Haarausfall wirken. Unerwünschte Nebenwirkungen sind laut aktuellen Studien nicht zu erwarten, aber wer wirklich etwas gegen Haarausfall unternehmen möchte, sollte auf bewährte Therapien setzen.