Ein großer Platz, kein Hindernis weit und breit – und trotzdem kommen die meisten Menschen nicht exakt dort an, wo sie eigentlich hinwollten. Eine internationale Studie zeigt: Beim Gehen haben Menschen offenbar einen erstaunlich starken Linksdrall.
Wissenschaftler aus Spanien, China und Japan haben das Bewegungsverhalten von 573 Personen untersucht. Das Ergebnis ist verblüffend: Menschen tendieren beim Gehen unabhängig von Alter, Herkunft und Ethnie leicht nach links.
Für die Untersuchung beobachteten die Forscher Menschen auf offenen Plätzen und großen, freien Flächen. Drohnen zeichneten die Laufwege aus der Luft auf und machten sichtbar, wie sich die Teilnehmer tatsächlich bewegten.
Dabei zeigte sich ein klares Muster: Die Probanden drifteten immer wieder leicht nach links ab. Ob sie allein unterwegs waren oder in einer Gruppe, spielte dabei keine entscheidende Rolle. Auch die Frage, ob jemand Rechts- oder Linkshänder ist, veränderte das Ergebnis nicht. "Unsere Ergebnisse sind sehr konsistent", schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature Communications".
Besonders überraschend: Die Tendenz zeigte sich bereits bei kleinen Kindern. Bei ihnen war der Drang, beim Gehen gegen den Uhrzeigersinn abzudriften, sogar besonders ausgeprägt.
Die Wissenschaftler vermuten deshalb, dass es sich nicht um ein Verhalten handelt, das Menschen erst im Laufe ihres Lebens erlernen. Vielmehr könnte der Linksdrall bereits früh im Leben angelegt sein.
Ein ähnliches Verhalten beobachten Forscher auch im Tierreich. So biegen Temnothorax-Ameisen bei Erkundungstouren auffällig oft nach links ab. Wellensittiche wiederum bevorzugen bei gleichwertigen Flugrouten ebenfalls eine bestimmte Seite.
Warum Menschen und manche Tiere eine solche Richtungspräferenz entwickeln, ist allerdings noch nicht geklärt.