In Deutschland werden immer mehr Fertiggerichte produziert. Im Jahr 2024 wurden 1,7 Millionen Tiefkühlpizzen, Lasagnen und Ähnliches hergestellt - 25,6 Prozent mehr als im Jahr 2019, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Insgesamt wurden Fertigprodukte im Wert von 5,9 Milliarden Euro hergestellt.
Den größten Zuwachs gab es dabei bei Nudelgerichten. Deren Produktion erhöhte sich von 2019 bis 2024 um 56,4 Prozent. Danach kommen Fleischgerichte, von denen um 43,2 Prozent mehr hergestellt wurden. Etwas geringer war der Anstieg in der Kategorie der "anderen Fertiggerichte", zu denen etwa Tiefkühl-Pizzen zählen. Mit 655.000 Tonnen machen sie aber weiterhin mehr als ein Drittel aller hergestellten Fertiggerichte aus. Sie sind damit die gewichtigste Kategorie.
Trotz dieses Anstiegs verbringen Menschen in Deutschland nicht weniger Zeit mit der Essenszubereitung: "41 Minuten täglich wenden Menschen ab 10 Jahren in Deutschland im Schnitt für die Zubereitung von Mahlzeiten und die damit verbundene Küchenarbeit auf", erklärte Destatis unter Verweis auf eine Erhebung aus dem Jahr 2022. Zehn Jahre vorher waren es 40 Minuten.
Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist dabei weiterhin groß, wird aber kleiner. 2012 verbrachten Frauen und Mädchen im Schnitt täglich 55 Minuten mit der Essenszubereitung. 2022 sank die Zahl leicht auf 53 Minuten.
Männer und Burschen standen 2022 täglich im Schnitt nur 29 Minuten in der Küche. 2012 waren es noch 31 Minuten. Somit stehen Frauen und Mädchen täglich fast doppelt so lang wie das männliche Geschlecht in der Küche.
Aus Österreich gibt es keine aktuellen Zahlen. Die Entwicklung verlief aber ähnlich wie in Deutschland, wie eine Meldung des Vereins "Land schafft Leben" aus dem Jahr 2024 nahelegt. Darin heißt es, dass wir heute in etwa doppelt so viele Fertiggerichte konsumieren wie noch vor 20 Jahren.
Ein nicht ganz ungefährlicher Trend, wie Maria Fanninger, Konsumexpertin und Gründerin von "Land schafft Leben", erläutert: "Fertigprodukte mögen praktisch sein, doch sie enthalten meist größere Mengen an Zucker, Fett und Salz und haben eine unnötig lange Zutatenliste – das braucht unser Körper einfach nicht. Durch diese einseitige Fehlernährung, anders möchte ich diesen Trend nicht mehr benennen, schlittert unsere Gesellschaft immer weiter in Zivilisationskrankheiten. In Österreich ist schließlich bereits mehr als jeder zweite Erwachsene und fast jedes dritte Kind übergewichtig."
Da für verarbeitete Lebensmittel keine Pflicht zur Herkunftskennzeichnung gilt, werden Konsumentinnen und Konsumenten von Fertigprodukten oft über die Herkunft einzelner Zutaten im Unklaren gelassen, kritisiert der Verein "Land schafft Leben".
Maria Fanninger sagt dazu: "Es sollte uns zu denken geben, dass die Herkunft der Zutaten in Fertigprodukten nicht deklariert werden muss: Wenn Österreich als Herkunftsland nicht draufsteht, dann hat das einen Grund. Bei fertigen Kuchen und Saucen oder Fertiglasagne bedeutet das zum Beispiel, dass wir oft unwissend Eier aus Käfighaltung essen."