Ein bisschen viel Programm, ein bisschen Glamour – und ganz viel Musik: So startet die Präsentation der neuen Saison im Wiener Konzerthaus. Statt steifer Ansprache gibt’s zuerst einen Film aus dem Backstage-Leben. Sekretärinnen in Aktion, Kellner mit Lachsbrötchen, nervöse Musiker – und mittendrin ein Intendant, der erstaunlich entspannt wirkt. Zumindest im Video.
Abseits des Films wirkt alles etwas weniger locker. Vorstandsvorsitzender Matthias Naske sagt gleich zu Beginn, dass er gespannt sei, wie die APA berichten werde. Ein bisschen Nervosität schwingt also mit – kein Wunder, denn hinter den Kulissen geht es um viel: Geld, Schlagzeilen und ein Programm, das auch mutige Entscheidungen trifft.
Die neue Saison 2026/27 hat es in sich: rund 600 Konzerte, 719 Künstler:innen, 216 Debüts und satte 124 Orchesterkonzerte. Dazu kommen 30 internationale Top-Orchester. Klassik-Fans dürfen sich außerdem freuen. Zum 200. Todestag von Ludwig van Beethoven gibt’s nämlich alle neun Symphonien am Stück – gespielt von den Bamberger Symphoniker unter Jakub Hrůša.
Und dann DAS: "Der Ring des Nibelungen" kommt erstmals komplett konzertant ins Haus – aber ganz anders als gewohnt. Historische Instrumente, neuer Klang, große Namen wie Kent Nagano. Wagner zum Neu-Hören quasi.
Auch modern wird es: Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien spielt das berühmte "War Requiem" von Benjamin Britten – dirigiert von Marin Alsop, die kürzlich in der The Kelly Clarkson Show von P!nk für ihre erfolgreiche Arbeit in einem lange männerdominierten Bereich gewürdigt wurde.
In der Saison 2026/27 wird aber nicht nur der Musik gehuldigt. Auch Film- und Literaturfans kommen auf ihre Kosten: Stars wie Nina Hoss oder Nicholas Ofczarek bringen Literatur auf die Bühne – von Sophokles bis Bernhard.
Dazu gibt’s Programme für Kinder, Jugendliche und inklusive Formate für alle. Klingt brav? Ist es nicht – eher ein Versuch, wirklich niemanden außen vor zu lassen.
So viel Programm kostet. Und genau da wird’s unangenehm: 10 % weniger Subventionen von Stadt und Bund – das sind rund 400.000 Euro pro Jahr weniger. Die Lösung? Spenden. Viel Spenden. Zwischen 50 und 25.000 Euro ist alles dabei. Dazu steigende Ticketpreise. Naske bleibt optimistisch: "Wir werden von den Menschen getragen." Rund 30.000 Abos verkauft das Haus jedes Jahr.
Fazit: Mega-Programm, große Namen, neue Ideen. Aber auch weniger Geld und viel Risiko. Ob sich das auszahlt? Weiß man erst nächstes Jahr. Bis dahin gilt: Wien spielt auf – und zittert ein bisschen mit.