Teuerungen

Kosten für Hausbau haben sich fast verdoppelt

Auf eine besorgniserregende Entwicklung, die eine ganze Branche erschüttert, macht jetzt die Wirtschaftskammer aufmerksam.

Niederösterreich Heute
Kosten für Hausbau haben sich fast verdoppelt
Um sich den Traum vom eigenen Haus zu erfüllen, muss man tief in die Tasche greifen.
Getty Images/iStockphoto

Für zahlreiche Jungfamilien ist der Traum vom Eigenheim – insbesondere das Haus mit Garten – in weite Ferne gerückt. Der Grund: Die Realisierung würde den finanziellen Ruin bedeuten. Zu hoch sind die Kosten sowie die Kreditraten aufgrund hoher Zinsen im Falle einer Finanzierung über ein Bankdarlehen.

Auftragseinbrüche

Und genau diese Entwicklung bedeutet in weiterer Folge auch den finanziellen Ruin für eine ganze Branche: Die Bauwirtschaft hat derzeit mit massiven Auftragseinbrüchen zu kämpfen, zahlreiche Betriebe schlitterten in den vergangenen Wochen und Monaten in die Pleite.

Dass die Schaffung von Immobilien-Eigentum für viele regelrecht unbezahlbar geworden ist, bestätigt nun auch eine neue Studie des Economica-Instituts im Auftrag der Wirtschaftskammern Wien und NÖ.

Laut der Erhebung haben sich die Kosten für den Hausbau bzw. Kauf in den letzten sieben Jahren in Niederösterreich fast verdoppelt. Knapp 90 Prozent teurer ist es nun, eine Immobilie bauen zu lassen bzw. zu erwerben. Dabei stiegen die Baukosten selbst seit 2020 im Hochbau um 34,4 Prozent an, die kumulierte Inflation betrug im gleichen Zeitraum 20 Prozent.

Wenig Bewilligungen

Die Konsequenz daraus ist auch ein Einbruch an Baubewilligungen in Niederösterreich, sie lagen im ersten Quartal 2023 um ein Viertel unter dem Durchschnittswert, es ist der niedrigste seit 2012.

Knapp 3.000 Menschen hat die problematische Entwicklung innerhalb von einem Jahr allein in Niederösterreich den Job gekostet, zumal in der Bauwirtschaft 8,7 Prozent aller Arbeitnehmer beschäftigt sind.

Dieser Wirtschaftsmotor ist ins Stottern geraten, mit langfristig negativen Folgen für unsere gesamte Wirtschaft.
Wolfgang Ecker
Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich

"Dieser Wirtschaftsmotor ist ins Stottern geraten, mit langfristig negativen Folgen für unsere gesamte Wirtschaft", so WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker. Die Wirtschaftskammer NÖ fordert nun unter anderem verstärkte Förderungen für Jungfamilien, damit wieder mehr gebaut und so in weiterer Folge auch die Wirtschaft angekurbelt wird.

Neues Tool

Um die Entwicklungen besser im Blick zu haben, ließ die Wirtschaftskammer NÖ jetzt ein eigenes Monitoring-Tool – den Bauwirtschafts-Radar – entwickeln. 

Zwölf Indikatoren zeigen dabei die laufende wirtschaftliche Entwicklung der Baubranche an. "Mit dem Bauwirtschaftsradar ist es erstmals möglich, die Entwicklung der Bauwirtschaft österreichweit und in Niederösterreich zeitnah, gebündelt und übersichtlich zu beobachten. Die wissenschaftlich fundierten Fakten tragen dazu bei, dass Entscheidungsträger bestmöglich auf sich abzeichnende Entwicklungen reagieren können", erläutert Ecker.

Neuer Bauwirtschaftsradar

    Georg Graser, Reseacher bei Economica, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker und Christoph Schneider, Geschäftsführer Economica, präsentierten das neue Bauwirtschaftsradar (v.li.)
    Georg Graser, Reseacher bei Economica, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker und Christoph Schneider, Geschäftsführer Economica, präsentierten das neue Bauwirtschaftsradar (v.li.)
    Michaela Pichler

    "Die aktuelle Konjunkturentwicklung ist derzeit von zahlreichen Faktoren negativ beeinflusst. Dazu zählen unter anderem erhöhte Leit- und Marktzinsen, eine deutlich verteuerte und erschwerte Finanzierung von Investitionen, angespannte Arbeitsmärkte und eine hohe Unsicherheit durch die geopolitische Lage. All dies führt dazu, dass gerade die Bauwirtschaft stark betroffen ist, was anhand unterschiedlicher Indikatoren ablesbar ist. Das Bauwirtschaftsradar zeigt die Entwicklung dieser Indikatoren auf und dient als Anknüpfungspunkt für die Kommunikation gegenüber regionalen Stakeholdern", so Entwickler Christoph Schneider, Geschäftsführer von Economica.

    Ende der KIM-V gefordert

    "Es ist mir sehr wichtig, dass die Bauwirtschaft wieder in Schwung kommt und dass die Familien ihre Wohnträume auch Realität werden lassen können", pochte jetzt auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) auf rasches Handeln in der Umsetzung des Bundespakets rund um die Streichung unterschiedlichster Gebühren & Co. – alles dazu hier.

    Darüber hinaus braucht es weitere Lockerungsschritte oder eine komplette Streichung der KIM-Verordnung.
    Johanna Mikl-Leitner
    Landeshauptfrau von Niederösterreich

    Gipfel "Bauen und Wohnen"

      Johanna Mikl-Leitner, Stefan Graf, Bauunternehmer & Fachvertretungsvorsitzender Bauindustrie WKNÖ, Hypo NÖ Vorstandssprecher Wolfgang Viehauser und Wirtschaftskammer NÖ Präsident Wolfgang Ecker trafen sich zum Gipfeltreffen.
      Johanna Mikl-Leitner, Stefan Graf, Bauunternehmer & Fachvertretungsvorsitzender Bauindustrie WKNÖ, Hypo NÖ Vorstandssprecher Wolfgang Viehauser und Wirtschaftskammer NÖ Präsident Wolfgang Ecker trafen sich zum Gipfeltreffen.
      NLK Burchhart

      "Darüber hinaus braucht es weitere Lockerungsschritte oder eine komplette Streichung der KIM-Verordnung", so die Politikerin nach einem eigens einberufenen Gipfel zum Thema "Bauen und Wohnen" im St. Pöltner Landhaus.

      Wie berichtet, kam es erst vor wenigen Tagen zu einer Novelle der KIM-V. Zwar gelten die bekannten Regeln – 20 Prozent Eigenkapital, Kreditrate maximal 40 Prozent des Netto-Haushaltseinkommens – weiter, die bisherige Ausnahmeregelung (Banken war es bisher gestattet, 20 Prozent ihres gesamten Kreditvolumens ohne die Erfüllung der Voraussetzungen zu vergeben, Anm.) wurde allerdings vereinfacht bzw. entbürokratisiert.

      Auf den Punkt gebracht

      • Die Kosten für den Hausbau haben sich fast verdoppelt, was zu einer besorgniserregenden Entwicklung in der Branche führt und dazu führt, dass viele Jungfamilien den Traum vom Eigenheim aufgrund hoher Kosten und Zinsen nicht realisieren können
      • Dies hat zur Folge, dass die Bauwirtschaft mit massiven Auftragseinbrüchen zu kämpfen hat und zahlreiche Betriebe in finanzielle Schwierigkeiten geraten, was wiederum Arbeitsplätze gefährdet
      • Die Wirtschaftskammer NÖ fordert verstärkte Förderungen für Jungfamilien, um den Bau und die Wirtschaft anzukurbeln
      red
      Akt.
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