Karl Lueger war bekennender Antisemit – sein Denkmal am Karl-Lueger-Platz (City) bei der U-Bahn-Station Stubentor, das 1926 errichtet wurde, sorgte daher seit Jahren für Debatten. Immer wieder wurde eine Umgestaltung bzw. eine Entfernung gefordert, viele Kritiker äußerten ihren Unmut auch mittels Farbattacken und gesprayten Botschaften auf der Statue.
Im Herbst 2022 wurde ein Wettbewerb für die Umgestaltung gestartet, die Jury entschied sich für den Entwurf "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)" von Klemens Wihlidal. "Diese 3,5 Grad, das ist der Punkt, wo ich zum ersten Mal Irritation spüre, und ich glaub, das ist sogar mehr, als wenn ich das 45 Grad neigen würde", erklärte Wihlidal im Jahr 2023.
Bis zum heurigen Sommer soll das Projekt nun umgesetzt werden. Davor wurden bereits im Jänner Bauzäune errichtet, die Statue vom Sockel gehoben und in einer Werkstatt gereinigt bzw. restauriert.
"Das muss man sich genau anschauen, damit man es für die Schrägstellung ertüchtigen kann. Es wird nicht alles abgetragen, die unteren drei Stufen bleiben, und der eigentliche Teil des Denkmals wird in den Boden versenkt, damit sie am Ende 3,5 Grad schräg steht", erklärte Cornelia Offergeld, künstlerische Leiterin von Kunst im öffentlichen Raum.
Die Kosten des Projekts sind enorm, wie eine anonymisierte Anfrage bei "fragdenstaat.at" unter dem Titel "Kosten Umgestaltung Dr. Karl Lueger Statue Wien" ergab – sie liegt auch "Heute" vor. Wie in einem Antwortschreiben der MA 7 (Kultur) angeführt wird, belaufen sich die geplanten bzw. zu erwartenden Kosten für das Kunst-Projekt auf insgesamt 776.167,45 Euro.
Demnach fallen für den künstlerischen Wettbewerb über 136.000 Euro an, für die Umsetzung der Bauleistung sind es über 237.000 Euro, die Restaurierung kommt auf über 137.000 Euro und die Nebenkosten (u.a. Gutachten, Ausschreibungsverfahren, Medienarbeit) auf über 264.000 Euro. Es handelt sich laut Schreiben um bereits angefallene, als auch um prognostizierte Kosten.
"Die geschätzten Kosten der Restaurierung ergeben sich zu einem überwiegenden Teil aus Verpflichtungen gegenüber dem Bundesdenkmalamt, aufgrund der denkmalpflegerischen Obhut der Stadt Wien zum Zweck der Wiederherstellung der Lesbarkeit des Denkmals nach Vandalismus in den letzten Jahren. Im Sinne der Effizienz werden diese Restaurierungsarbeiten gleichzeitig durchgeführt, um eine doppelte Baustelleneinrichtung und Transportkosten zu vermeiden", wird in der Anfragebeantwortung angeführt.