Neue Regeln in Deutschland

Krankschreibung ab Tag 1: Das gilt jetzt

Die deutsche Regierung will Krankschreibungen ab dem ersten Tag vorschreiben. Ein Arbeitsrechtler erklärt, was das bedeutet.
Technik Heute
08.07.2026, 17:42
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Im Reformpaket der deutschen Regierung mit dem Titel "Programm für Aufschwung und Beschäftigung" wird unter anderem die telefonische Krankschreibung abgeschafft. Außerdem soll künftig eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag vorgelegt werden müssen.

Viele Arbeitnehmer fragen sich nun: Muss ich künftig am ersten Tag meiner Krankheit zum Arzt? Ab wann die Bescheinigung konkret vorliegen muss, wird im Reformpaket nicht näher bestimmt.

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"Das muss der Gesetzgeber mit dem neuen Gesetz festlegen", erklärt der Kölner Fachanwalt für Arbeitsrecht Volker Görzel gegenüber chip.de. Wichtig dabei: Eine Krankschreibung ab dem ersten Tag bedeute nicht zwingend, dass das Attest noch am selben Tag vorliegen müsse - es dürfe auch später nachgereicht werden.

Rückwirkende Krankschreibung möglich

Wer erst am zweiten oder dritten Tag zum Arzt geht, muss laut dem Experten nicht unbedingt Probleme bekommen. "Eine rückwirkende Krankschreibung ist möglich", so Görzel. Allerdings sei das nur ausnahmsweise und in der Regel nur bis zu drei Tagen zulässig.

Der Arbeitsrechtler räumt ein: Ob eine Arbeitsunfähigkeit schon in den Tagen vor dem Arzttermin bestand, lässt sich für den Arzt oft schwer beurteilen. Deshalb könne es vorkommen, dass eine rückwirkende Krankschreibung abgelehnt werde.

Klare Fälle ohne Probleme

Bei eindeutigen Situationen sollen Arbeitnehmer allerdings keine Sorgen haben müssen. "Bei Unfallwunden mit Heilungsstörungen wird der Arzt wohl kaum infrage stellen, ob die Arbeitsunfähigkeit schon am Tag zuvor bestanden hat", so der Fachanwalt.

Auch für den Fall, dass jemand körperlich nicht in der Lage ist, einen Arzt aufzusuchen, müsse es künftig eine Lösung geben. "Wer einen Unfall hat oder stark geschwächt ist, kann sich womöglich nicht unmittelbar um eine AU kümmern", erklärt Görzel. Daher erscheine es unwahrscheinlich, dass das Attest am selben Tag vorliegen müsse.

Heftiger Widerstand von Ärzten

Die deutschen Hausärzte haben die Pläne scharf kritisiert. Die Beschlüsse seien "absolut katastrophal", sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier. "Auf unsere Praxen kommt damit eine riesige Bürokratiewelle zu, die kaum zu bewältigen sein wird."

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung sprach von einer "Zumutung, die an Unverschämtheit grenzt" und erklärte: "Es grenzt an Irrsinn, Abertausende Menschen zusätzlich in die Praxen zu jagen für das reine Ausfüllen von Zetteln."

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