Absage. Absage. Absage. Für viele Menschen in Österreich wird schon die Suche nach einem Kassenarzt zur Geduldsprobe.
Eine neue österreichweite Erhebung zeigt jetzt, wie groß das Problem inzwischen geworden ist – und die Zahlen sind alarmierend: Fast jede dritte Kassenordination hat ihre Türen für neue Patienten geschlossen.
Laut einer Studie von krankenversichern.at haben bereits 31,8 Prozent der Kassenpraxen einen Aufnahmestopp verhängt. Besonders heftig trifft es dabei Bereiche, in denen regelmäßige Kontrollen und Vorsorge besonders wichtig sind.
Am dramatischsten ist die Lage bei Hautärzten: 65,9 Prozent der Kassenordinationen nehmen keine neuen Patienten mehr auf. Fast ident sieht es bei Frauenärzten aus – dort liegt der Anteil bei 65,2 Prozent. Heißt im Klartext: Rund zwei von drei Ordinationen sagen neuen Patienten derzeit ab.
Doch das Problem zieht sich quer durchs System. Bei HNO-Ärzten liegt der Anteil der Aufnahmestopps bei 36,9 Prozent, in der Psychiatrie bei 33,3 Prozent und in der Orthopädie bei 32,4 Prozent.
Besonders brisant: Selbst bei Hausärzten wird es eng. Obwohl sie eigentlich die erste Anlaufstelle im Gesundheitssystem sind, nimmt laut Studie bereits mehr als jede dritte Ordination – konkret 36,7 Prozent – keine neuen Patienten mehr auf.
Etwas entspannter wirkt die Situation nur auf den ersten Blick: In der Radiologie liegt der Anteil bei 14,9 Prozent, in der Neurologie bei 23,9 Prozent, bei Kinderärzten und Lungenfachärzten jeweils bei 25,3 Prozent.
Für Betroffene bedeutet das oft wochenlange Suche, längere Anfahrtswege oder den Wechsel zum Wahlarzt – und damit zusätzliche Kosten.
Die Studienautoren sehen hinter den Zahlen kein fehlendes Engagement der Ärzte, sondern ein strukturelles Problem. Viele Ordinationen würden ihre Patientenzahl bewusst begrenzen, um die Qualität der Versorgung halten zu können.
Sebastian Arthofer, COO von krankenversichern.at, warnt: "Wenn in der typischen Fachrichtung rund jede dritte Kassenpraxis keine neuen Patienten mehr aufnimmt und in manchen Fächern sogar zwei von drei, dann reden wir nicht über Einzelfälle, sondern über ein strukturelles Kapazitätsproblem."
Für die Untersuchung wurden zwischen 18. Mai und 5. Juni insgesamt 1.112 Kassenordinationen in ganz Österreich kontaktiert – über alle neun Bundesländer und 14 Fachrichtungen hinweg.