System am Limit

Aufnahmestopp bei Kassenärzten – Lage immer schlimmer

Eine neue Studie zeigt: Rund jede dritte Kassenordination nimmt keine neuen Patienten mehr auf – besonders hart trifft es Haut- und Frauenärzte.
Team Wirtschaft
11.06.2026, 14:58
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Wer in Österreich einen neuen Kassenarzt sucht, braucht oft Geduld – oder mehrere Anläufe. Eine neue österreichweite Studie von krankenversichern.at zeigt nun, wie angespannt die Lage im Kassensystem ist. Mittlerweile haben nämlich 31,8 Prozent der Kassenordinationen einen Aufnahmestopp für neue Patienten verhängt.

Situation bei Haut- und Frauenmedizin am dramatischsten

Besonders stark betroffen sind vorsorgeintensive Fächer. In der Dermatologie nehmen 65,9 Prozent der Kassenordinationen keine neuen Patienten mehr auf, in der Gynäkologie sind es 65,2 Prozent. Damit bleibt rund zwei von drei Patienten, die neu einen Hautarzt oder Frauenarzt suchen, der Zugang zur Kassenordination verwehrt.

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Doch das Problem beschränkt sich nicht auf einzelne Fachrichtungen. Auch bei HNO-Ärzten liegt der Anteil der Aufnahmestopps bei 36,9 Prozent. In der Psychiatrie sind es 33,3 Prozent, in der Orthopädie 32,4 Prozent.

Selbst 15 Prozent der Radiologen lehnen Patienten ab

Etwas besser sieht die Lage in anderen Fächern aus, wirklich entspannt ist sie aber auch dort nicht. In der Radiologie haben 14,9 Prozent der Ordinationen einen Aufnahmestopp. In der Neurologie sind es 23,9 Prozent, in der Pädiatrie und Pulmologie jeweils 25,3 Prozent.

Auffällig ist auch der Befund bei den Hausärzten. Gerade dort sollte der erste Zugang zur medizinischen Versorgung am einfachsten sein. Trotzdem nimmt laut Studie mehr als jede dritte Ordination, konkret 36,7 Prozent, keine neuen Patienten mehr auf.

Überlastung als Hauptgrund für Aufnahmestopps

Sebastian Arthofer, COO von krankenversichern.at, sieht darin kein Randphänomen. "Wenn in der typischen Fachrichtung rund jede dritte Kassenpraxis keine neuen Patienten mehr aufnimmt und in manchen Fächern sogar zwei von drei, dann reden wir nicht über Einzelfälle, sondern über ein strukturelles Kapazitätsproblem", sagt er. Für Patienten bedeute das "längere Wege, längeres Warten – oder der Schritt zur privaten Versorgung beim Wahlarzt."

Hinter den Aufnahmestopps steht laut Studie nicht mangelnder Wille der Ärzte, sondern Überlastung. Viele Ordinationen würden ihre Patientenzahl bewusst begrenzen, um die Behandlungsqualität zu sichern. Wer mehr Patienten annimmt, als seriös versorgt werden können, gefährde am Ende genau diese Qualität.

Immer weniger Kassenärzte für immer mehr Patienten

Dazu kommt eine steigende Nachfrage. Die Gesellschaft wird älter, Behandlungen werden häufiger und komplexer. Für die Ordinationen bedeutet das: Mehr Fälle müssen in derselben Zeit versorgt werden. Gleichzeitig schrumpft das Angebot im Kassensystem. Teilweise bleiben Kassenstellen unbesetzt, dazu wechseln viele Ärzte in den Wahlarztbereich. Dadurch müssen weniger Kassenordinationen einen wachsenden Andrang bewältigen.

"Niemand sollte erst bei der Terminsuche merken, dass die Tür für neue Patienten zu ist", sagt Arthofer. Genau deshalb habe man die Studie gemacht. Menschen in Österreich sollten wissen, woran sie seien und welche Wege ihnen offenstehen. Das strukturelle Problem löse man damit nicht über Nacht, aber Transparenz sei der erste Schritt.

Plattform überprüfte 1.112 Kassenordinationen

Für die Untersuchung wurden zwischen 18. Mai und 5. Juni 2026 insgesamt 1.112 Kassenordinationen in ganz Österreich befragt. Die Auswahl erfolgte nach dem Zufallsprinzip aus der Arztsuche der Österreichischen Ärztekammer, über alle neun Bundesländer und 14 Fachrichtungen hinweg.

Erhoben wurde über eine standardisierte, verdeckte Anfrage als neu zugezogener Patient mit telefonischem Nachfassen. Als Aufnahmestopp wurde gewertet, wenn keine neuen Patienten aufgenommen wurden.

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