Überfüllte Ordinationen, unerträglich lange Wartezeiten, mühsame Termin-Suche: Der Frust über das Gesundheitssystem treibt immer mehr Österreicher in die private Vorsorge. 2025 ist die Zahl der privat Krankenversicherten auf 3.656.883 gestiegen. Das ist ein absoluter Rekord, wie jetzt ein Check der Vergleichsportals krankenversichern.at zeigt.
Damit haben mittlerweile, auch das zeigt die Studie, 39,7 Prozent der Bevölkerung eine private Krankenversicherung. Anders gesagt: Rund vier von zehn Österreichern zahlen extra, um schneller zu einem Arzttermin, einer Behandlung oder zusätzlichen Leistungen zu kommen.
Der Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, wie stark sich dieser Trend entwickelt hat. 2014 waren 3.052.948 Personen privat versichert, damals entsprach das 35,8 Prozent der Bevölkerung. 2025 sind es um mehr als 600.000 Menschen mehr. Besonders deutlich war der jüngste Sprung: Von 2024 auf 2025 kamen rund 86.900 Privatversicherte dazu.
"Wartezeiten von bis zu 63 Tagen beim Kassenarzt machen die Privatversicherung für viele zur absoluten Notwendigkeit", sagt Sebastian Arthofer, Co-Gründer von krankenversichern.at. Sieben von zehn Personen würden den Engpass bei Terminen als Hauptgrund für den Abschluss nennen.
In den Bundesländern fällt das Bild sehr unterschiedlich aus. Wien liegt bei der absoluten Zahl klar vorn: 937.600 Wiener sind privat versichert. Dahinter folgen die Steiermark mit 557.300 Personen, Oberösterreich mit 523.400 und Niederösterreich mit 500.600 Privatversicherten.
Ganz anders sieht es aus, wenn man auf den Anteil an der Bevölkerung schaut. Da liegt Kärnten mit 51,9 Prozent an der Spitze. Dort hat bereits mehr als jeder Zweite eine private Krankenversicherung abgeschlossen. Salzburg folgt mit 49,4 Prozent, in Wien sind es 46,1 Prozent, in der Steiermark 43,8 Prozent.
Tirol liegt bei 41,7 Prozent, Oberösterreich bei 34 Prozent, das Burgenland bei 33,5 Prozent und Vorarlberg bei 32,5 Prozent. Schlusslicht ist Niederösterreich: Dort sind erst 29 Prozent der Bevölkerung privat versichert, obwohl das Bundesland absolut gesehen eine halbe Million Privatversicherte zählt.
Ein Blick auf die Branchenzahlen offenbart laut Arthofer die weitreichenden finanziellen Effekte dieses Trends: Der Wunsch nach rascher ärztlicher Abklärung hätte die Ausgaben für Wahlarzthonorare 2025 um 10,1 Prozent auf über 355 Millionen Euro steigen lassen.
Dieser Erstkontakt im privaten Sektor geht nämlich oft mit einer zeitintensiveren Diagnostik einher, was sich dann auch in den Folgekosten niederschlägt: So verzeichneten die Versicherer in der direkten Konsequenz auch bei den Ausgaben für Medikamente ein Plus von 14,0 Prozent.
"Der Haupttreiber für den Abschluss einer privaten Krankenversicherung ist fast immer das Bedürfnis nach einem zeitnahen Arzttermin", erklärt Sebastian Arthofer die Daten. Die steigenden Arzneikosten seien eine direkte Begleiterscheinung dieser Entwicklung.
"Entscheiden sich Patienten für den Weg zum Wahlarzt, resultiert daraus häufig auch die Verschreibung spezifischer oder weiterführender Therapien, die dann ebenfalls über den Zusatzschutz abgerechnet werden", so der Fachmann.