Österreich führt Ranking an

700 Euro Selbstbehalt beim Arzt: Experten legen nach

Selbstbehalte beim Arzt sollen das kranke Budget heilen. Mit dieser Idee hat die Agenda Austria für massive Debatten gesorgt. Jetzt legt sie nach.
Heute Politik
21.04.2026, 17:34
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Sechs Forderungen zur Gesundung des Budgets hat die wirtschaftsliberale Agenda Austria zu Beginn der Budgetverhandlungen zwischen Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) und seinen Ministerkollegen vorgelegt.

700 Euro als Obergrenze pro Jahr

Die wohl umstrittenste davon: Jeder Bürger soll künftig zehn Prozent seiner Arztrechnungen selbst bezahlen müssen – und zwar bis zu einer jährlichen Obergrenze von 700 Euro. Damit würde nicht nur das Gesundheitssystem finanziell entlastet. Auch die Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte würden deutlich zurückgehen, argumentieren die Experten.

Am Montag legte die Agenda Austria jetzt eine Statistik vor, die ihre Forderung untermauern soll. Sie hat sich angesehen, wie oft die Österreicher im internationalen Vergleich zum Arzt gehen bzw. sich auf digitalem Wege medizinischen Rat holen.

Österreicher gehen oft zum Arzt

In diesem Ranking liegt Österreich mit Abstand auf dem ersten Platz. Immerhin 12,59 Mal pro Jahr sind die Österreicher im Durchschnitt beim Arzt. Auf den Plätzen folgen die Slowakei mit 10,98, Ungarn mit 10,92 und die Niederlande mit 10,10 Arztkonsultationen pro Jahr.

Deutschland schneidet besser ab

Zum Vergleich: Die Deutschen kommen durchschnittlich auf 9,80 Arztbesuche jährlich, die Tschechen auf 8,84 und die Kroaten auf 8,44. In Spanien sind es 7,57 Mal, in Slowenien 6,14 und in Frankreich 5,50 Arzttermine pro Jahr.

Skandinavier und Malta top

Am unteren Ende der Skala liegen – wieder einmal – die skandinavischen Länder sowie Malta. Finnland kommt auf 4,40 Arztbesuche im Jahr, Norwegen auf 3,80, Schweden auf 3,16 und in Malta sind es überhaupt nur 3,03 und damit nur ein Viertel des Wertes in Österreich.

Kostenfaktor Gesundheit

De Gesundheitsausgaben seien einer der großen Ausgabentreiber im österreichischen Staatshaushalt, betonen die Wirtschaftsexperten. Auch die hohe Nachfrage nach Gesundheitsleistungen im Land würden die Kosten immer höherschrauben.

Experten fordern Reformen von Politik

Der Reformdruck sei daher "unübersehbar". Denn ohne Gesundheitsreform würden uns die Ausgaben in den kommenden Jahren überrollen. Eine Anleitung dafür sollte sich Österreich bei den europäischen Nachbarn nehmen. So hätten etwa in Ländern wie Norwegen oder Finnland Selbstbehalte die Visiten beim Arzt reduziert.

"Kosten für teure Untersuchungen selbst tragen"

"Klar ist, dass das Gesundheitssystem nicht alle Wünsche finanzieren kann", formuliert es Hanno Lorenz, Ökonom bei der Agenda Austria. Und er legt in Sachen Selbstbehalt im Gesundheitssystem noch einmal nach: "Wer sich ohne medizinische Indikation jede Woche teuren Untersuchungen unterziehen möchte, sollte hierfür auch die Kosten tragen."

{title && {title} } pol, {title && {title} } 21.04.2026, 17:34
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