Schluss mit "pay or wait"

Privatpatienten auf Höchststand – SPÖ schlägt Alarm

Die SPÖ will gegen die wachsende Zwei-Klassen-Medizin vorgehen. Hintergrund sind lange Wartezeiten und die hohe Zahl an privat Krankenversicherten.
Newsdesk Heute
20.05.2026, 14:25
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Immer mehr Menschen in Österreich zahlen extra für ihre Gesundheit: Die Zahl der privat Krankenversicherten ist 2025 auf einen neuen Höchststand gestiegen. Grund dafür sind laut einer aktuellen Analyse vor allem lange Wartezeiten und Probleme bei Arztterminen – "Heute" berichtete.

Wie das Vergleichsportal krankenversichern.at erhoben hat, verfügen mittlerweile 3.656.883 Menschen über eine private Krankenversicherung. Das entspricht 39,7 Prozent der Bevölkerung – also fast vier von zehn Österreichern.

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Wartezeiten von bis zu 63 Tagen

Viele würden sich dadurch schnellere Arzttermine, Behandlungen oder zusätzliche Leistungen sichern wollen. „Wartezeiten von bis zu 63 Tagen beim Kassenarzt machen die Privatversicherung für viele zur absoluten Notwendigkeit", so Sebastian Arthofer, Co-Gründer von krankenversichern.at. Laut der Analyse nennen sieben von zehn Personen Terminprobleme als Hauptgrund für den Abschluss einer privaten Versicherung.

Auch die Ausgaben für Wahlarzt-Honorare steigen deutlich an. Laut Branchenzahlen wurden 2025 mehr als 355 Millionen Euro dafür ausgegeben – ein Plus von 10,1 Prozent.

OECD: "pay or wait"

Die Diskussion über die sogenannte Zwei-Klassen-Medizin bekommt dadurch erneut Auftrieb. Laut den vorliegenden Zahlen warten Patienten im Kassensystem teils bis zu 13-mal länger als Privatpatienten.

Sowohl die OECD als auch der Rechnungshof hätten die Entwicklung zuletzt kritisiert. Die OECD habe die Situation mit den Worten "pay or wait" beschrieben.

400 Kassenpraxen weniger

Die SPÖ sieht darin eine Folge der Gesundheitspolitik der vergangenen Jahre. Laut den Sozialdemokraten habe man ein System übernommen, in dem es rund 400 Kassenpraxen weniger gebe, während die Zahl der Privatärzte um rund 40 Prozent gestiegen sei. Mehr als die Hälfte der Hausärzte arbeite bereits privat, bei Kinderärzten, Hautärzten und Gynäkologen seien es sogar mehr als zwei Drittel.

SPÖ-Gesundheitssprecher Rudolf Silvan fordert deshalb stärkere Maßnahmen gegen die Zwei-Klassen-Medizin. "Wenn immer mehr Menschen zusätzlich bezahlen, um rascher einen Arzttermin zu bekommen, dann läuft etwas falsch. Gesundheit darf keine Frage des Geldes sein. Die OECD verurteilt die Politik der Vorgängerregierungen mit den Worten „Pay or wait". Wir wollen: E-Card statt Kreditkarte.“

Keine Kürzungen im Gesundheitsbereich

Gleichzeitig betont die SPÖ, trotz Sparzwängen keine Kürzungen im Gesundheitsbereich vorzunehmen. "Trotz enormen Spardrucks kürzen wir keinen einzigen Cent bei der Gesundheit", so Silvan.

Laut SPÖ wurden bereits mehrere Maßnahmen gestartet. Dazu zählen ein Gesundheitsreformfonds mit jährlich zusätzlichen 500 Millionen Euro für die öffentliche Versorgung, der Ausbau von Kassenangeboten und Primärversorgungseinrichtungen sowie ein Medikamentenkostendeckel und das Einfrieren der Rezeptgebühren.

Für die kommenden Jahre kündigt die Partei einen "Pakt gegen die Zwei-Klassen-Medizin" an. Geplant sind unter anderem mehr Kassenstellen, neue öffentliche Versorgungsangebote sowie Modelle, bei denen Privatärzte freiwillig oder künftig auch verpflichtend einen Teil von Kassenpatienten übernehmen sollen.

Zusätzlich soll der Ärztemangel durch Unterstützung für Medizinstudierende bekämpft werden, die später im öffentlichen Gesundheitssystem arbeiten wollen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 20.05.2026, 14:25
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