Mehr als fünf Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie verursacht Long Covid nicht nur weiterhin erhebliches menschliches Leid, es kostet auch ein Vermögen. Zu diesem Schluss kommt die OECD in einem umfangreichen Bericht. Tatsächlich gehen die Experten selbst bei vorsichtigen Schätzungen bis 2035 von direkten jährlichen Kosten fürs Gesundheitssystem von elf Milliarden Dollar aus, aktuell umgerechnet rund 9,4 Milliarden Euro.
Weitaus gravierender sind laut der Analyse jedoch die indirekten Belastungen durch Produktivitätsverlust. Grund ist, dass von Long Covid Betroffene oft über Monate hinweg etwa durch starke Müdigkeit und Konzentrationsprobleme nicht nur im Alltag, sondern auch im Job eingeschränkt sind bzw. sogar ganz aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssen. Geschätzte jährliche Folgekosten: 135 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 116 Milliarden Euro.
Bereits auf dem Höhepunkt der Pandemie 2021 litten rund 75 Millionen Menschen an Long Covid – etwas mehr als fünf Prozent der Bevölkerung in den OECD-Ländern. Die direkten Gesundheitskosten erreichten damals, so die Berechnungen, etwa 53 Milliarden Dollar, bei wirtschaftlichen Verlusten von bis zu 680 Milliarden Dollar (rund 581 Milliarden Euro).
Insgesamt bleibe, so kritisiert die OECD, die politische Reaktion oft auf den Gesundheitssektor beschränkt, obwohl Long Covid auch ein soziales und wirtschaftliches Problem sei. Maßnahmen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt sowie zur sozialen Absicherung seien vielerorts unzureichend abgestimmt.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf. "Insgesamt könnte eine bessere Versorgung, Koordination und Planung den Patienten helfen, ihre Gesundheit zurückzugewinnen, und dazu beitragen, den langen Schatten der Pandemie zu verkürzen."