47-Jährige im "Heute"-Talk

"Nadel in Lunge" – Frau gibt nach Long Covid nicht auf

Eine Oberösterreicherin kämpfte sich nach einem schweren Long-Covid-Verlauf zurück ins Leben. Jetzt will die 47-Jährige Betroffenen Hoffnung geben.
Oberösterreich Heute
20.02.2026, 03:00
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"Die Betroffenen schreien nicht – sie können nicht schreien": Maria Stögmüller (Name geändert; Anm.) weiß, wovon sie spricht. Sie war selbst eine von ihnen. Die 47-Jährige ist eine der wenigen, die nach einem schweren Long-Covid-Verlauf wieder einigermaßen auf die Beine gekommen sind. Im Gespräch mit "Heute" will sie vor allem eines sein: eine Stimme der Hoffnung für jene, die noch immer nicht schreien können.

Im November 2020 infizierte sich die Frau erstmals mit Corona. Vier Tage lang sei es "der Wahnsinn" gewesen: "Es hat sich angefühlt, als würde mir jemand mit einer Stricknadel in die Lunge stechen." Massivste Schmerzen, unerträgliche Kopfschmerzen. Die Akutphase ging vorbei – doch dann war nichts mehr wie davor.

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"Du stehst da wie ein Kind"

Gelenkentzündungen in Hüfte und Ellbogen, Blutungen im Zahnfleisch folgten. Und dann die totale Erschöpfung: "Dann macht es einen Duscher, dann stehst du da und kannst gar nichts mehr machen", erzählt Stögmüller. Kleinigkeiten wie Zähneputzen – "und der Tag ist gelaufen". Einmal saß sie weinend im Bad, "weil ich nicht wusste, wie ich zurück ins Bett kommen soll".

Es folgten Monate im Ausnahmezustand. Gedächtnisausfälle ließen sie verzweifeln: "Ich stand mit Mitte 40 in der Küche und wusste nicht mehr, wo mein Besteck ist." Namen von Familienmitgliedern fielen ihr nicht mehr ein. "Du stehst da wie ein Kind, das alles neu lernen muss."

Selbst Therapien würden nicht immer Besserung bringen – oft im Gegenteil: Nach Reha-Aufenthalten kämen viele Betroffene "schlechter heim, als sie hingefahren sind". Jeder Termin koste Energie, die dann für den Rest des Tages komplett fehlt. Dazu kämen Existenzängste: "Du weißt nicht, ob du jemals wieder arbeiten kannst."

Fehlende Ambulanzen, Kämpfe um Reha-Geld

Viele Betroffene würden mit ihren Sorgen allein gelassen: Die Oberösterreicherin spricht von fehlenden Ambulanzen, langen Wartezeiten, zu wenig spezialisierten Angeboten und echten Kämpfen um Reha-Geld, das Betroffene so dringend bräuchten. "In jeder Bundeshauptstadt bräuchte es eine Anlaufstelle", ist sie sich sicher.

Die Krankheit habe viele Gesichter, "und man sieht sie den Menschen nicht an". Die 47-Jährige vermutet bei Long-Covid-Erkrankungen deshalb eine enorme Dunkelziffer. Erfahrungen aus Selbsthilfegruppen hätten bei ihr tiefe Spuren hinterlassen: "Da sitzen gestandene Männer heulend in den Gruppen, weil sie einfach nicht wissen, wie es weitergeht."

"Es gibt Lichtblicke"

Heute "passt es zu 95 Prozent". Die Genesung dauerte aber Jahre, "minimale Schritte über Monate" hinweg. Leichte Gedächtnisprobleme seien geblieben, bei sportlicher Belastung müsse sie vorsichtig sein. Aber die 47-Jährige hat zurück ins Leben gefunden – und ist wieder arbeitsfähig. Aus ihrer Erfahrung heraus hat sie sich selbstständig gemacht, um andere zu unterstützen: "Es gibt Lichtblicke."

Darum spricht sie jetzt öffentlich: für jene, die keine Kraft haben, ihre Geschichte zu erzählen. "Ich muss Danke sagen, dass ich wieder so weit gekommen bin. Es geht darum, dass die Gesellschaft erfährt, was los ist", sagt die Frau. Sie hofft, dass ihr Weg anderen Mut macht.

{title && {title} } red, {title && {title} } 20.02.2026, 03:00
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