Ein Strategiewechsel bei der Raiffeisen Bank International (RBI) zeichnet sich ab: Der künftige Vorstandschef Michael Höllerer setzt auf Wachstum in Osteuropa – und will gleichzeitig den Rückzug aus Russland vorantreiben.
Höllerer, der im Juli auf Langzeit-Chef Johann Strobl folgt, kündigte bei der Hauptversammlung in Wien an, die Ausrichtung der Bank neu zu schärfen. Neben dem stärkeren Fokus auf Osteuropa soll auch die Zusammenarbeit innerhalb der Raiffeisen-Bankengruppe in Österreich ausgebaut werden.
Ein zentrales Thema bleibt das Russland-Geschäft der RBI. Höllerer machte deutlich, dass der Ausstieg weiter verfolgt wird: "konsequenter in unserer Sphäre, soweit wir das auch beeinflussen können, den Ausstieg aus Russland voranzubringen".
Die RBI zählt neben der italienischen UniCredit zu den größten westlichen Banken in Russland. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs prüft das Institut einen Rückzug, dieser gestaltet sich jedoch schwierig. Ein Verkauf erfordert zahlreiche Genehmigungen – auch von russischen Behörden und Präsident Wladimir Putin.
Künftiges Wachstum sieht Höllerer vor allem in Mittel- und Osteuropa. Die Region entwickle sich wirtschaftlich deutlich dynamischer als die Eurozone. Um diese Chancen besser zu nutzen, will die RBI verstärkt auf die lokale Expertise ihrer Netzwerkbanken setzen.
Auch bei der Expansion setzt die Bank ein Zeichen: In der Nacht wurde ein Übernahmeangebot für die Addiko Bank angekündigt, die vor allem in Südosteuropa aktiv ist. Die RBI bietet 23,05 Euro pro Aktie und bewertet das Institut damit rund 20 Prozent über dem eigenen ermittelten Eigenkapitalwert.
Damit will die RBI ihre Position in der Region weiter stärken – und gleichzeitig den strategischen Umbau vorantreiben.