Die Volksschülerin kratzte sich unaufhörlich, ihr Ausschlag wurde immer schlimmer. Emilias Leiden an drei Stellen am Oberkörper verschlimmerten sich rapide. Simone L., die Mutter der 9-Jährigen (Name der Redaktion bekannt) versucht ihr Glück bei einem angesagten Hautarzt für Kinder.
"Es war deprimierend, zuerst wollte man mir in drei Wochen – also erst mitten im Mai – einen Termin geben", sagt sie zu "Heute". Doch sie blieb hartnäckig, drängte auf einen früheren Zeitpunkt, "es war akut!"
Ihre Bitten zeigten Wirkung, Emilia durfte in der Woche nach dem Telefonat zum Mediziner mit Kassenvertrag kommen. Am vergangenen Mittwoch war es soweit, doch der Arztbesuch in einem innerstädtischen Bezirk wurde zu einer weiteren Belastung für Tochter und Mama.
"Der Warteraum war zum Bersten voll", erinnert sich Simone L. Sie zählte die Wartenden: 17 Patienten waren vor ihnen dran. Sitzplatz? Keine Chance, nur wenige Sessel gibt es für die Wartenden.
Es wird zur Tortur, einige geben auf, verlassen die Ordination, ohne den Arzt zu konsultieren. Endlich, nach eineinviertel Stunden Warten im Stehen wird Emilia aufgerufen. Sie gehen in einen der Behandlungsräume und sind dort alleine. Wieder ist Warten auf den Doktor angesagt – eine weitere halbe Stunde. Mutter Simone checkte die Uhr: "Es waren genau eine Stunde und 43 Minuten, bis wir den Arzt sahen."
Die Freude währte nicht lange. Es gab keine Begrüßung, "wir wurden innerhalb von vier Minuten abgehandelt." Der Mediziner verabschiedete sich hastig mit den Worten: "Sie wissen ja, der Warteraum ist voll."
"Heute" fragte nach bei der ÖGK, ob solche Massenabfertigungen normal seien bei Hautärzten: "Die dermatologische Versorgung durch Kassen-Ärzte ist sehr gut, es gibt keine unbesetzten Stellen. Generell kann in Wien von einem Facharztmangel keine Rede sein."
Auch das Chaos beim Warten will man "Heute" gegenüber scheinbar als Einzelfall abtun: "Die Terminplanung und die Ablaufplanung in den Ordinationen ist Verantwortung der freiberuflich tätigen Vertragsärzte als Inhaber der Praxis. Wir sehen anhand vieler gut organisierter Kassenpraxen, dass patientenfreundliche Abläufe und kurze Wartezeiten im Wartezimmer auch bei gut gebuchten Kassenpraxen möglich sind."
Emilias Mama jedenfalls sieht solche Zustände nicht zum ersten Mal, "wenn ich es mir leisten könnte, würde ich sofort mit meiner Tochter teure Wahlärzte besuchen."
Den starken Trend Richtung Zwei-Klassen-Medizin versucht die ÖGK abzufangen. Etwa mit flexiblen Verträgen für Mediziner („beispielsweise Gruppenpraxismodelle, Jobsharing, Möglichkeit zur Anstellung von Ärzten-bei-Ärzten…“).
Auch in Zukunft sollen neue Maßnahmen greifen: Studenten sollen sich etwa verpflichten, als Kassenärzte zu arbeiten, oder es soll eigene Dienstleistungen für Jungärzte geben, die bei der Praxis-Gründung helfen.
"Mir hilft das leider nicht", sagt Simone, "ich werde beim nächsten Arztbesuch wieder lange warten müssen – es ist ja beim Zahnarzt oder Kinderarzt sehr ähnlich." Emilia bekam eine Salbe verschrieben, einige schmerzhafte Symptome sind immer noch vorhanden.