"Die Wartezeit für einen Termin bei einem Orthopäden in Gänserndorf beträgt etwa 50 Tage, wenn ich ihn online ausmache", sagt "Heute"-Leserin Monika S. Zwar könne man bei massiven Schmerzen auch ohne Termin kommen, doch in ihrem Fall hielt sich der Schmerz in Grenzen, weshalb diese Möglichkeit nicht bestand – da blieb nur noch der Weg nach Wien.
"Ich bin nach meiner Pensionierung aus Wien nach Niederösterreich, in den Bezirk Gänserndorf, gezogen", holt S. aus: "Hier gibt es zwar kein Spital, aber eine Tagesklinik. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass hier die ärztliche Betreuung im Alter gewährleistet ist. Das hat sich als Fehler herausgestellt."
Immer wieder lese sie in der Tageszeitung "Heute" über Missstände betreffend die ärztliche Versorgung in Niederösterreich: "Das kann ich nur bestätigen", sagt S., die sich kurzerhand entschied, ins Auto zu steigen: "Ich bin ich ohne Termin zum Orthopädenteam ins Donauzentrum nach Wien gefahren – Untersuchung erhalten, runter zum Röntgen, wieder zurück zum Arzt, alles innerhalb von wenigen Stunden in Wien möglich." Seitens der ÖGK war dazu am Freitag keine Stellungnahme zu bekommen.
Nachdem eine Diagnose vorgelegen hatte, wurden S. physikalische Therapien und Einzelgymnastik verordnet. "Vor Beginn der Therapie ist ein Arztbesuch im physikalischen Institut erforderlich, trotz Verordnungsschein vom Orthopäden", merkt sie jetzt mit hörbar schlechter Laune in der Stimme an: "In Gänserndorf muss ich nun 25 Tage auf den Arzttermin im physikalischen Institut warten. Danach werden erst die Behandlungstermine vergeben."
Der Frust über die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen ist anhaltend. Die unterschiedlichen Fälle zeigen, dass es unterschiedlichste Problemfelder gibt. Erst kürzlich erreichte "Heute" der Fall eines 68-jährigen Waldviertlers, der in Waidhofen an der Thaya 4 Stunden auf einen Krankentransport warten musste. Im Landesklinikum Horn wartete ein 84-Jähriger, den eigenen Angaben nach, über 6 Stunden auf seinen Rücktransport. Das Landesklinikum wies die Vorwürfe zurück. Doch, nachdem sich im Fall des 68-Jährigen der NÖ Pflege- und Patientenanwalt eingeschaltet hatte, will die Landesgesundheitsagentur (LGA) jetzt für Verbesserungen sorgen – es bleibt abzuwarten, ob dadurch die Beschwerden abnehmen.
Auch im niedergelassenen Bereich gibt es vielerorts Probleme: So zog, trotz aller Bemühungen der Gemeinde Kaumberg, der dortige Gemeindearzt einen Schlussstrich – seine Praxis habe sich nicht wirtschaftlich führen lassen. Und im Bezirk Lilienfeld gibt es keinen einzigen Hautarzt. Eine zu vergebende Kassenstelle wurde von der Österreichischen Gesundenkasse (ÖGK) über 30-mal ausgeschrieben – vergeblich.
Monika S. aus Gänserndorf sieht die Probleme auf der strukturellen Ebene und sagt: "Kein Wunder, dass Wien so viele Gastpatienten hat, die ärztliche Versorgung durch die Österreichische Gesundheitskasse versagt offensichtlich in Niederösterreich. Eine Wartezeit von insgesamt vier Wochen, um eine notwendige physikalische Therapie gegen Schmerzen zu erhalten, sehe ich nicht als angemessene ärztliche Versorgung durch die Kasse."