Engpass im Waldviertel

Mann (68): "Musste 4 Stunden auf Rettungswagen warten"

Herbert Kössner (68) musste nach einer Untersuchung vier Stunden auf einen Krankentransport warten. Nun wird sein Fall zum Aufreger in NÖ.
Aram Ghadimi
04.02.2026, 18:22
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"Niederösterreich ist nicht Vorarlberg", sagt Herbert Kössner im "Heute"-Gespräch, der nach seiner Odyssee im NÖ Gesundheitssystem wieder zu Scherzen aufgelegt ist.

Der ehemalige Gemeindebeamte aus Litschau, der auch lange Jahre als Feuerwehrkommandant tätig war, weiß, wie anspruchsvoll es ist, im flächenmäßig größten Bundesland, Logistikketten zu planen: "Mir kommt vor, dass man schon bei der Ausschreibung der Krankentransporte Probleme hatte."

Zum Zweck einiger Untersuchungen war Kössner am 6. Jänner 2026 stationär im Landeskrankenhaus Waidhofen an der Thaya aufgenommen worden: "Die behandelten Ärzte haben es auch für sinnvoll erachtet, eine MRT des Gehirnschädels vornehmen zu lassen", sagt der 68-jährige Waldviertler. Dieser Termin war für den 9. Jänner vorgesehen.

Nur im Bademantel unterwegs

"Die behandelten Ärzte sagten mir, dass ich nur einen Bademantel und ohne Probleme mit den Hausschlapfen fahren kann, denn es ist einerseits nicht weit entfernt und zweitens wird es nicht allzu lange dauern." Der Rettungsdienst der Johanniter werde die Fahrt übernehmen, habe man ihm gesagt: "In weiser Vorsicht habe ich Gott sei Dank trotzdem auch eine Jogging-Hose angezogen", sagt Kössner.

Die Hinfahrt, am besagten Tag, gemeinsam mit einem zweiten Patienten und die 20-minütige Untersuchung selbst liefen problemlos. Dann jedoch war kein Wagen für den Rücktransport ins Spital gekommen: "Die Praxis-Mitarbeiterin am Empfang fragte nach ungefähr einer Stunde Wartezeit bei der Leitstelle von Notruf NÖ nach, wann wir mit der Abholung rechnen können." Es habe geheißen, dass bald ein Wagen komme.

Anfragen, aber verzögerte Anfahrt

"Nach einer weiteren Stunde erfolgte noch eine Anfrage, weil sie schon in einem ähnlichen Fall drei Stunden Wartezeit verstrichen waren, bis der Rettungswagen eintraf", erzählt Kössner. Immer sei die Auskunft der Leitstelle gewesen, dass bald jemand käme.

Nach einer weiteren Stunde und einer weiteren Anfrage kam dann die Antwort: "Der Wagen ist schon beim Krankenhaus Waidhofen, muss aber noch einen Patienten ausladen und steht dann gleich zur Abholung bereit."

Dann hebt sich die Stimme des 68-Jährigen: "Wir saßen wieder annähernd eine Stunde herum – für einige Minuten Fahrzeit." Daher sei ihm klar geworden, dass man nicht die Wahrheit gesagt habe: "Niemand von den Johannitern war zu diesem Zeitpunkt in Waidhofen."

Für die "kurze Untersuchung" saß Kössner mehr als vier Stunden im Warteraum der Gruppenpraxis – im Bademantel und zunehmend frustriert: "Die Mitarbeiter beendeten an diesem Freitagmittag ihre Tätigkeit oder waren schon gegangen."

Schließlich sei er gemeinsam mit einem zweiten Patienten abgeholt worden, wobei die Sanitäter dabei nicht einmal die Rettungseinfahrt gefunden hätten. "Es ist komplett unverständlich, dass solche Transporte nicht über örtliche Rettungsstellen abgewickelt werden", sagt der ehemalige Feuerwehrkommandant.

Patientenanwalt übt scharfe Kritik

Niederösterreichs Patientenanwalt Michael Prunbauer, der durch Kössner vom Vorfall erfahren hat, sieht in den aktuellen Fällen ein ernstes Problem und spricht gegenüber dem "Kurier" von nicht funktionierenden Sekundärtransporten, die dringend repariert werden müssten. Prunbauer sei es auch gewesen, der schließlich die Zeitung auf den Fall des 68-Jährigen aufmerksam gemacht habe, sagt Kössner gegenüber "Heute".

Verzögerungen seien bei dringenden Verlegungen kritisch, sagt Patientenanwalt Prunbauer: "Im Sinne der Patienten ist das nicht akzeptabel." Der Jurist fordert klare Qualitätskriterien, eine Entscheidung über Transportmittel ausschließlich nach medizinischer Dringlichkeit und unabhängig vom jeweiligen Rettungsanbieter.

Zudem kritisiert Prunbauer den Begriff "Sekundärtransport" und verlangt, dass Patienten von Beginn an gezielt in das medizinisch geeignete Krankenhaus gelenkt werden, um unnötige Fahrten und damit verbundene Wartezeiten möglichst zu vermeiden.

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Landesgesundheitsagentur plant Verbesserungen

Die für die Transporte verantwortliche Landesgesundheitsagentur NÖ (LGA) betont gegenüber dem "Kurier", dass sie laufend mit den Rettungsdiensten, Notruf NÖ sowie Patientenanwalt Prunbauer im Austausch stehe – um Wartezeiten zu reduzieren und Korrekturen vornehmen zu können.

Ziel sei es, insbesondere an den sensiblen Schnittstellen zwischen medizinischer Versorgung und Transportlogistik Verbesserungen umzusetzen. Als Reaktion auf aktuelle Probleme prüfe man alle Möglichkeiten. Die fünf Fahrzeuge für Sekundärtransporte, die derzeit im Waldviertel  im Einsatz sind, stünden auch weiterhin, unabhängig vom Aufkommen, bereit. Zudem werde die Fahrzeugflotte landesweit erweitert und bei absehbarem Bedarf zusätzliches Material in betroffene Regionen verlegt.

Ordentliche Verhältnisse gewohnt

"Es ist nicht zu verstehen, dass Patienten über vier Stunden auf den Transport warten müssen, nur weil die Johanniter diese Tätigkeit ausüben müssen und anscheinend nicht in der Lage dazu sind", sagt Herbert Kössner dazu.

Der 68-Jährige plädiert für eine andere Lösung: "Im Waldviertel gibt es in jeder Stadt eine Rot-Kreuz-Stelle die binnen kürzester Zeit diese Aufgaben zufriedenstellend übernehmen könnte. Da braucht man keinen Rettungsdienst aus dem Raum Stockerau, wenn es gleichzeitig anscheinend zu wenige Einsatzfahrzeuge für das Waldviertel gibt."

Er sei nur zu einer Routineuntersuchung gefahren worden, merkt Kössner an: "Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn bei Patienten eine lebensbedrohliche Situation besteht!" Und: "Für Patienten, die bisher ordentliche Verhältnisse von Transporten gewohnt waren, ist das alles unverständlich. Es handelt sich um eine Strecke (Praxis zum Krankenhaus), die man in etwa fünf Minuten zurücklegen kann."

{title && {title} } agh, {title && {title} } Akt. 04.02.2026, 18:27, 04.02.2026, 18:22
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