Ein 21-jähriger Waldviertler verunglückt beim Eislaufen auf einem Teich in der Grenzgemeinde Kautzen schwer. Schien- und Wadenbein waren gebrochen. Nach dem Notruf war das Rote Kreuz schnell zur Stelle, um den jungen Mann umgehend ins Spital nach Gmünd zu bringen. Doch statt rascher Hilfe folgte eine absurde Odyssee.
Die Landesgesundheitsagentur LGA hatte dem Gmündner Krankenhaus laut einem internen Schreiben die Leistungen zum Jahreswechsel stark zusammengekürzt. Die Folge: Beim Eintreffen des 21-Jährigen war offenbar kein Arzt anwesend.
"Das Klinikpersonal war sehr nett, aber dort wurden mir nur starke Schmerzmittel verabreicht. Mein Bein wurde gekühlt und geröntgt. Es hing nur mehr schief runter und tat schon bei einer Verlagerung höllisch weh. In Ruhe habe ich die Schmerzen dank der Mittel gerade noch so ertragen", schildert der Verunglückte seine Lage der "Kronen Zeitung".
Ihm wurde mitgeteilt, dass er für seine Behandlung in das rund 50 Minuten Fahrzeit entfernte Landesklinikum Horn weiterverlegt werden müsse. Das unter Zeitdruck, denn die drohende Schwellung seines Beins würde die notwendige Operation unnötig komplizierter machen. Nur: Das schon anwesende Rote Kreuz durfte ihn nicht einfach wieder einladen und endlich zu Arzt und OP bringen!
Der Grund macht nicht nur den jungen Schmerzpatienten fassungslos: Die LGA hatte kürzlich einen neuen Vertrag abgeschlossen, der den Johannitern – ebenfalls seit Jahreswechsel – ein Exklusivrecht auf sogenannte "Sekundärtransporte" einräumt. Das betrifft Transporte zwischen den LGA-Kliniken.
Das Rote Kreuz wurde deshalb weggeschickt und die Johanniter Unfallhilfe gerufen. Die hat jedoch keinen Stützpunkt im Waldviertel, der nächste liegt bei Stockerau nahe Wien!
Obwohl sich die Helfer gleich auf den Weg machten, dauerte alleine ihre mehr als 110 Kilometer lange Anfahrt nach Gmünd rund anderthalb Stunden. Nach dem Einladen ihres Patienten ging es 60 Kilometer die exakt selbe Strecke wieder zurück nach Horn.
Nach sechs (!) qualvollen Stunden erreichte der 21-Jährige endlich das Ziel. Der Lichtblick in dieser Geschichte: In Horn sei er schnell, freundlich und kompetent operiert worden.
Die Landesgesundheitsagentur reagiert auf die kritische Nachfrage der "Krone" über die Sinnhaftigkeit eines solchen mehr als 200 Kilometer langen Rundfahrt wie Teflon. Die Johanniter seien Bestbieter gewesen, hätten somit den Vertrag bekommen, und würden ohnehin keine Notfälle übernehmen, heißt es seitens der LGA. Stundenlange Schmerzen fallen offenbar nicht in diese Kategorie...