Praxis-Aus in Kaumberg

"Nicht leicht gefallen" – Gemeindearzt sperrt zu

Trotz Bemühungen der Gemeinde zieht der Gemeindearzt von Kaumberg einen Schlussstrich – seine Praxis habe sich nicht wirtschaftlich führen lassen.
Aram Ghadimi
29.01.2026, 05:15
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Am Mittwoch, 28. Jänner 2026, wandte sich der Bürgermeister von Kaumberg (Bezirk Lilienfeld) mit ernsten Worten an die Einwohner der Marktgemeinde: "Leider muss ich mich heute mit unerfreulichen Nachrichten an Sie wenden. Unser Gemeindearzt wird seine Ordination in Kaumberg mit 25. März 2026 schließen."

Ein schwerer Schlag für die medizinische Versorgung in des 1.000-Einwohner-Ortes im Oberen Triestingtal.

Zu wenig Zulauf

"Es ist leider nicht gelungen, ausreichend viele Patientinnen und Patienten für die Praxis zu gewinnen, um die Ordination langfristig wirtschaftlich führen zu können", fasst der Bürgermeister zusammen. Die Schließung der Ordination trifft Kaumberg besonders hart: Nach dem Abgang der vormaligen Gemeindeärztin, die nach 11 Jahren Kaumberg verlassen hatte, setzte die Gemeinde alles daran, die medizinische Betreuung vor Ort sicherzustellen.

Verhandlungen mit Ärztekammer

"Es waren intensive Gespräche mit Ärzte- und Apothekerkammer nötig", schreibt der Bürgermeister auf der Webseite der Gemeinde. Überdies habe die Gemeinde "die erforderlichen Umbauarbeiten an den Praxisräumlichkeiten finanziert". Um dem neuen Gemeindearzt den Start zu erleichtern, griff die Kaumberg tief in die Tasche: So wurde etwa "ein Mietzuschuss für die ersten Monate gewährt und seit März 2025 hat die Gemeinde sogar die gesamte Miete für die Ordination übernommen, um unseren Gemeindearzt in der schwierigen Aufbauphase bestmöglich zu unterstützen und die Praxis im Ort zu halten."

Man habe außerdem versucht, die Bevölkerung aktiv einzubinden. Auf der Gemeindehomepage und in der Gemeindezeitung wurde "mehrmals dazu aufgerufen, das medizinische Angebot zu nützen". Gleichzeitig zeigt der Bürgermeister Verständnis für jene, die sich nach dem Abgang der vorigen Ärztin neu orientiert hatten.

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Viele hätten "zu anderen Ärzten in Nachbargemeinden gewechselt" und sich dort "gut betreut und aufgehoben" gefühlt – ein erneuter Wechsel sei daher für manche keine Option gewesen. Am Ende reichte das alles nicht aus: "Trotz aller Bemühungen konnte der Betrieb leider nicht nachhaltig abgesichert werden", so das nüchterne Fazit. Dennoch richtet der Bürgermeister dem scheidenden Arzt seinen Dank aus: "Ich möchte mich an dieser Stelle dennoch ausdrücklich für sein Engagement in unserer Gemeinde bedanken."

Arzt bedauert Praxis-Aus

Dazu sagt der Gemeindearzt: "Die Entscheidung, meine Ordination in Kaumberg mit Ende März 2026 zu schließen, ist mir nicht leichtgefallen." Für einen wirtschaftlichen Betrieb seiner Praxis habe es nicht genug Zulauf gegeben: "Ich wünsche den Kaumbergerinnen und den Kaumbergern alles Gute und hoffe, dass künftig wieder eine wohnortnahe medizinische Versorgung möglich sein wird." Ob und wann das möglich sein könnte, ist aber schwer abschätzbar.

"Strukturelles Problem"

Die Österreichische Gesundheitskasse sieht ein strukturelles Problem im ländlichen Bereich. Während die Praxis in Kaumberg zu wenig Frequenz aufweist, findet sich für den gesamten Bezirk Lilienfeld kein einziger Dermatologe, weder als Kassen- noch als Wahlarzt. Die zu besetzende Kassenstelle wurde bereits 33-mal ausgeschrieben – ohne Erfolg. Die vormalige Hautärztin zählte zu Ende ihrer 30-jährigen Tätigkeit rund 50.000 individuelle Patientenakten in ihrer Kartei.

Nachbarschaftshilfe nötig

Wie es im Kaumberg weitergeht, ist völlig offen. Die Kassenstelle werde seitens der Ärztekammer Niederösterreich wieder ausgeschrieben, sagt der Bürgermeister: "Ob und wann wir wieder eine Gemeindeärztin oder einen Gemeindearzt für Kaumberg gewinnen können, ist derzeit leider offen und wird sich auch nicht einfach gestalten."

Dennoch versucht der Bürgermeister, Zuversicht zu vermitteln. Man habe "ein vorbildhaftes und intaktes Ortsleben und einen guten Zusammenhalt", sodass auch jenen geholfen werde, "die selbst nicht mobil sind", um Arztpraxen in den Nachbargemeinden zu erreichen.

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