"Das sind Zustände wie in den 50er-Jahren", sagt Herbert Becvar zu "Heute". Der renommierte Allgemeinmediziner hat in den vergangenen Tagen eine wahre Odyssee erlebt.
Dr. Becvar ordiniert in Neuberg an der Mürz, einer steirischen Gemeinde mit 2.250 Einwohnern. Die ganze Region kommt seit Jahrzehnten zum äußerst beliebten Mediziner, man vertraut auf seien Rat und seine Hilfe.
Auf den Arzt ist verlass, er postet sogar seine Abwesenheiten immer auf Facebook. Auch dort zu finden, ist die kuriose Angelegenheit, die ihn und seine Patienten seit geraumer Zeit beschäftigt. Becvar beschreibt, dass seine Krankenkassenverträge mit der baldigen Erreichung seines 70. Geburtstages gekündigt werden.
Was dann geschieht: Die Planstelle wird neu ausgeschrieben. Absurde Folge: Der Arzt müsste, wenn er weiterarbeiten will, sich um seine eigene Praxis bewerben, "aus rechtlichen Gründen", wie der Betroffene selbst erklärt.
Hintergrund dieser Absurdität: Man wollte früher jüngeren Ärzten die Chance auf eine eigene Ordination geben, deswegen sollten die Arrivierten mit 70 Jahren Platz machen. "Aber es gibt derzeit keine Bewerber, hier wollen die Jungen nicht her", sagt Becvar zu "Heute", "die halten einen Zustand aufrecht, den es nicht mehr gibt."
Tagelang war es Gesprächsthema der Region, man fühlte sich gefrotzelt.
Doch Dienstagvormittag kam die Erlösung: "Ich wurde vor einer Stunde von der Ärztekammer angerufen", atmet der Arzt auf, "die haben sich doch anders entschieden."
Jetzt ist also klar, er darf weiter ordinieren, so lange sich kein anderer für diese Planstelle bewirbt. Für die endgültige vertragliche Regelung ist die ÖGK zuständig", lässt uns die Ärztekammer Steiermark wissen.
Übrigens: Im Bezirk sind drei weitere Ärzte von der Altersklausel betroffen. Zwei andere konnten schon verlängern.
Wie lange will Herbert Becvar eigentlich selber noch arbeiten? "Wenn ich so gesund bleibe wie jetzt, könnte ich mir vorstellen, dass es noch fünf Jahre sein sollen."