Mit dem neuen Gesundheitsreformfonds, der im vergangenen Herbst beschlossen wurde und jetzt offiziell an den Start geht, sollen in den kommenden fünf Jahren mehr als 2,6 Milliarden Euro in das heimische Gesundheitssystem investiert werden.
Schon 2026 stehen dafür laut Ministerium rund 497,5 Millionen Euro bereit. Bis 2030 steigt das jährliche Volumen auf über 580 Millionen Euro. Gespeist wird der neue Fonds hauptsächlich aus den Mehreinnahmen aus der Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge für Pensionisten, die mit 1. Juni 2025 in Kraft trat.
Das Geld soll dort eingesetzt werden, wo es Patienten im Alltag besonders spüren: bei Arztterminen, bei der Vorsorge und bei digitalen Angeboten. Details stellten Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) und die Spitzen der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) jetzt vor.
Klar sei: Das Geld soll nicht einfach verteilt werden. Jede Maßnahme wird an konkrete Ziele und überprüfbare Kennzahlen geknüpft. Ausbezahlt wird nur nach klaren Vorgaben.
Ein Schwerpunkt ist die Verbesserung der medizinischen Versorgung der Menschen im Alltag. Allein heuer sind mehr als 310 Millionen Euro für diesen Bereich vorgesehen. Vor allem Primärversorgungseinheiten sollen kräftig ausgebaut werden. Aktuell gibt es etwa 130 Standorte in ganz Österreich. 2026 sind rund 30 weitere geplant, 2027 sollen noch einmal 60 dazukommen.
„Die Menschen in Österreich sollen sich wieder darauf verlassen können, rasch und wohnortnah die bestmögliche medizinische Versorgung zu erhalten.“Korinna SchumannGesundheits- und Sozialministerin (SPÖ)
Das soll mehr Kassenstellen, längere Öffnungszeiten und bessere Erreichbarkeit bringen – auch zu Tagesrandzeiten und am Wochenende. Und allen voran kürzere Wartezeiten. Auch im ländlichen Raum soll die Versorgung spürbar verbessert werden.
Der zweite große Bereich ist die Prävention. Pro Jahr sind rund 80 Millionen Euro für Vorsorgeprogramme vorgesehen. Geplant sind Angebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen. Besonders im Fokus stehen chronische Erkrankungen. Außerdem soll bis Ende 2027 ein bundesweites Darmkrebs-Screening aufgebaut werden.
Auch bei der Digitalisierung wird aufgedreht. Dafür sind 2026 rund 95 Millionen Euro reserviert. Künftig sollen mehr Leistungen digital abrufbar sein, Abläufe einfacher werden und Gesundheitsberufe entlastet werden.
Schon bis Ende 2026 sollen die Öffnungszeiten von rund der Hälfte aller Vertragspartner über die Gesundheits-Hotline 1450 abrufbar sein. Auch Telemedizin soll Schritt für Schritt fixer Teil der Versorgung werden. Perspektivisch soll mehr als ein Prozent aller Arztkontakte digital erfolgen.
Dazu kommen neue Spezialangebote, etwa für Diabetes, Schmerztherapie oder die psychosoziale Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Auch die medizinische Hauskrankenpflege wird ausgebaut. Bereits ab 2026 sollen hier um rund 30 Prozent mehr Leistungen angeboten werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frauengesundheit – mit dem Ziel, in allen Bezirken ausreichend gynäkologische Kassenversorgung sicherzustellen.
Gesundheitsministerin Schumann spricht von einem "entscheidenden Schritt", um das System zukunftsfit zu machen: "Die Menschen in Österreich sollen sich wieder darauf verlassen können, rasch und wohnortnah die bestmögliche medizinische Versorgung zu erhalten."
„Das Plastiksackerl mit den Befunden endlich einer digitalen Patientenakte weichen.“Andreas HussÖGK-Vize
ÖGK-Obmann Peter McDonald betont dagegen auch die Grenzen des Pakets: Geld allein werde die strukturellen Probleme nicht lösen. Sein Stellvertreter Andreas Huss sieht mit dem neuen Gesundheitsreformfonds vor allem eine Chance, Wartezeiten zu verkürzen und die Versorgung moderner aufzustellen: "Das Plastiksackerl mit den Befunden endlich einer digitalen Patientenakte weichen."