SP-Schumann im "Heute"-Talk

Ministerin sagt an: "Wahlärzte stärker einbinden"

Gesundheitsministerin Schumann (SPÖ) erklärt, wie Arzt-Wartezeiten verkürzt werden sollen. Und wie längeres Arbeiten für alle möglich werden soll.
Angela Sellner
26.01.2026, 05:45
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Zwang halte sie nicht für den richtigen Weg, sagt Gesundheits-, Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) zur Debatte, ob Wahlärzte zur Behandlung auch von Kassenpatienten verpflichtet werden sollten. Im "Heute"-Talk erklärt sie, wie das öffentliche Gesundheitssystem gestärkt und die Wartezeiten auf Arzttermine reduziert werden sollen.

Und sie erklärt, wie längeres Arbeiten für alle funktionieren kann – welche Anreize es dafür noch braucht.

Das Interview mit Korinna Schumann

"Heute": Die Menschen bewegt, dass Kassenpatienten oft viel länger auf Arzttermine warten müssen als jene mit Zusatzversicherung. Welche Rezepte sehen Sie dagegen?

Korinna Schumann: Lange Wartezeiten und inzwischen fast 25 Prozent Privatordinationen haben in den letzten Jahren zu einer Schieflage geführt, die viele Menschen zu Recht als ungerecht empfinden. Diese Entwicklung untergräbt unser solidarisches Gesundheitssystem. Das geht sich nicht aus. Unser Ziel ist klar: Jeder Mensch muss unabhängig vom Einkommen gleich schnellen Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Ich bin angetreten, die öffentliche Versorgung zu stärken, um Wartezeiten nachhaltig zu verkürzen, kann aber die Kritik an den Wartezeiten nachvollziehen. Man muss jedoch immer sehr genau hinschauen, aus welcher Ecke die Kritik kommt.

"Heute": Wie kann das öffentliche Gesundheitssystem für Kassenärztinnen und -ärzte attraktiver gemacht werden?

Schumann: Wir setzen hier sehr stark auf den Ausbau der Primärversorgung. Am Herzen liegen mir Primärversorgungseinheiten (PVE). Mehrere Fachrichtungen unter einem Dach mit längeren Öffnungszeiten sind nicht nur für die Patientinnen und Patienten wichtig, sondern auch für Mediziner interessant. Mit dem Gesundheitsreformfonds, den wir Ende 2025 präsentiert haben, wird es gelingen, den Ausbau auf 300 PVE voranzutreiben. Mit dem Fonds investieren wir jährlich 500 Millionen Euro.

SP-Gesundheitsministerin Schumann treibt den Ausbau von Primärversorgungszentren voran.
Sabine Hertel
„Zwang halte ich nicht für den richtigen Weg. Aber klar ist auch: Rosinenpicken zulasten der öffentlichen Versorgung geht nicht.“
Korinna SchumannGesundheits-, Arbeits- und Sozialministerin (SPÖ)

"Heute": Halten Sie es für realistisch, Wahlärzte zu verpflichten, einen Prozentsatz ihrer Kapazitäten für Kassenpatienten zur Verfügung zu stellen – zum Kassentarif?

Schumann: Zwang halte ich nicht für den richtigen Weg. Aber klar ist auch: Rosinenpicken zulasten der öffentlichen Versorgung geht nicht. Wir setzen auf Anreize, Kooperationen und neue Modelle, um Wahlärztinnen und Wahlärzte stärker in die öffentliche Versorgung einzubinden. Das Wohl der Patientinnen und Patienten muss dabei immer Vorrang haben.

"Heute": Wie stehen Sie zum Ausbau telemedizinischer Angebote?

Schumann: Sehr positiv. Telemedizin ist eine sinnvolle Ergänzung – vor allem im ländlichen Raum oder bei chronischen Erkrankungen. Sie ersetzt den persönlichen Arztkontakt nicht, kann aber Wartezeiten verkürzen und das System insgesamt entlasten.

"Heute": Die E-Card wird digital und bekommt mehr Funktionen. Was verbessert sich dadurch für Patienten?

Schumann: Für Patientinnen und Patienten bedeutet das vor allem mehr Komfort und einfachere Abläufe: weniger Wege, schneller Zugriff auf Befunde, E-Rezepte und Überweisungen. Gleichzeitig gilt ganz klar: Datensicherheit hat oberste Priorität.

Priorität hat, dass die Versorgung vor Ort spürbar verbessert wird, sagt Korinna Schumann.
Sabine Hertel
„Gesundheitsversorgung darf nicht an Bundeslandgrenzen aufhören. Wichtig ist, dass Zuständigkeiten klar bleiben.“
Korinna SchumannGesundheits-, Arbeits- und Sozialministerin (SPÖ)

"Heute": Es sind Vorschläge am Tisch, bei der Gesundheitsversorgung stärker auf Regionen statt auf Bundesländer zu setzen. Was halten Sie davon?

Schumann: Gesundheitsversorgung darf nicht an Bundeslandgrenzen aufhören. Wichtig ist, dass Zuständigkeiten klar bleiben. Die Versorgung muss vor Ort spürbar verbessert werden und muss sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren.

"Heute": Wie ist der Zeitplan für die Gesundheitsreform, was sind die nächsten Schritte?

Schumann: Wir arbeiten intensiv und auf mehreren Ebenen. Mit dem neuen Gesundheitsreformfonds stärken wir konkret die öffentliche Versorgung in den Regionen. Parallel dazu erarbeiten vier Reformgruppen weitere Maßnahmen, die wir Schritt für Schritt umsetzen werden.

"Heute": Die FPÖ hat kürzlich die erhöhten Richtsätze für die Rezeptgebührenbefreiung kritisiert – Pensionisten müssten sich so oft zwischen Medikamenten und Lebensunterhalt entscheiden. Können Sie die Kritik nachvollziehen?

Schumann: Die Kritik geht ins Leere. Erhöhte Richtsätze sorgen nämlich dafür, dass mehr Menschen von der Rezeptgebührenbefreiung profitieren. Daneben haben wir für 2026 aber auch die Rezeptgebühr eingefroren. Sie bleibt also gleich. Außerdem gibt es einen neuen Arzneimitteldeckel. Der Deckel, wo Menschen nichts mehr für verschriebene Medikamente zahlen, wird schneller erreicht, weil auch verschriebene Präparate, die weniger als die Rezeptgebühr kosten, dazuzählen.

"Heute": Kommen wir zum Arbeitsmarkt. Die Zahl der Jobsuchenden steigt weiter – sind Sie zuversichtlich hinsichtlich einer Besserung heuer?

Schumann: Die wirtschaftliche Lage ist herausfordernd, aber ich bin vorsichtig zuversichtlich. Der Arbeitsmarkt zeigt sich robuster als in früheren Krisen. Entscheidend ist jetzt, dass wir Menschen gezielt qualifizieren und unterstützen – besonders jene, die es schwerer haben, wieder Fuß zu fassen. Zum Beispiel Personen ab 55 Jahren, wo wir mit der Aktion 55+ gemeinsam mit dem AMS zwischen 3.000 und 6.000 kollektivvertraglich entlohnte Arbeitsplätze genau für diese Altersgruppe schaffen werden.

"Heute": Mit der neuen Industriestrategie fokussiert die Regierung auf Schlüsseltechnologien. Sind Sie besorgt hinsichtlich Menschen, die in anderen Bereichen arbeiten? Braucht es neue Qualifizierungsmaßnahmen?

Schumann: Wir haben mit dem AMS einen starken Partner hinsichtlich Weiterbildung und Umschulung. Denn klar ist: Dass Menschen zurückbleiben, ist keine Option.

SPÖ-Ministerin Korinna Schumann ortet Aufholbedarf bei Jobchancen für Ältere.
Sabine Hertel
„Ich habe ein Anreizsystem vorgeschlagen, nach dem Unternehmen, die eine gewisse Quote Älterer beschäftigen, belohnt werden.“
Korinna SchumannGesundheits-, Arbeits- und Sozialministerin (SPÖ)

"Heute": Wir sollen länger arbeiten – aber gibt es in den Unternehmen wirklich Chancen für Ältere, insbesondere für den Wiedereinstieg älterer Arbeitsloser?

Schumann: Hier gibt es noch Aufholbedarf. Ältere Menschen bringen Erfahrung, Stabilität und Wissen mit. Ich habe im vergangenen Sommer ein Anreizsystem vorgeschlagen, nach dem Unternehmen, die eine gewisse Quote Älterer beschäftigen, belohnt werden.

"Heute": Das heißt, Sie verfolgen dieses Anreizsystem weiter?

Schumann: Wir müssen über alles nachdenken, was Menschen länger in Beschäftigung hält oder wieder in Beschäftigung bringt. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen echte Chancen bekommen. Wenn freiwillige Maßnahmen nicht ausreichen, müssen wir auch über verbindlichere Lösungen sprechen.

"Heute": Seit Anfang des Jahres gibt es die neue Teilpension. Haben Sie schon ein Echo?

Schumann: Ja, das Feedback ist sehr positiv. Viele Menschen schätzen die Möglichkeit, den Übergang vom Arbeitsleben in die Pension flexibler zu gestalten. Die Teilpension ermöglicht es, die Arbeitszeit zu reduzieren und gleichzeitig einen Teil der Pension zu beziehen. Das entlastet gesundheitlich, hält Menschen länger im Erwerbsleben und bringt auch für die Betriebe mehr Planungssicherheit.

"Heute": Abschließend noch zum Großprojekt Sozialhilfereform. Wie sind da Stand und Fahrplan?

Schumann: Wir befinden uns in Arbeitssitzungen mit den Koalitionspartnern, den Ländern und dem AMS. Ziel ist eine sozial gerechte, armutsfeste Lösung mit bundesweit einheitlichen Standards – insbesondere zum besseren Schutz von Kindern in Form der Zukunftssicherung.

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