Alarm um Österreichs öffentliches Gesundheitssystem: Immer mehr Menschen gehen zu Wahlärzten, weil sie bei Kassenmedizinern lange auf einen Termin warten müssten.
Die Zahlen einer aktuellen Analyse von krankenversichern.at anhand von Daten der Ärztekammer zeigen es: Im Jahr 2000 gab es in Österreich noch 4.768 Wahlärzte – heute sind es 11.802, ein Plus von 148 Prozent. Im gleichen Zeitraum blieb die Zahl der Kassenärzte annähernd gleich – stieg minimal von 8.203 auf 8.236. Aber die Bevölkerung Österreichs wuchs um rund 1,2 Millionen Menschen.
Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) fordert nun eine Obergrenze für Wahlarzt-Rechnungen. Der derzeitige ÖGK-Obmann Andreas Huss kritisiert, dass Ärzte in ihren Privatordinationen für ihre Leistungen oft ein Vielfaches dessen verlangen, was Kassenärzte dafür bekommen. Er erhalte deshalb zunehmend Beschwerden von Patienten.
"Wir sehen, dass Wahlärzte das Zehn- oder gar Fünfzehnfache des Kassentarifs von den Patienten verlangen und das ist wirklich unzumutbar", so Huss im Ö1-Morgenjournal. Wahlarzt-Patienten müssten nicht selten um die 200 Euro bezahlen, bekämen aber nur 30 Euro von der Krankenkasse erstattet.
Huss fordert jetzt – nach deutschem Vorbild – eine Obergrenze für Privatarzt-Honorare. In Deutschland ist es das Zweieinhalbfache des Kassentarifs. "Dass ein Wahlarzt mehr verlangen kann, als der Kassentarif ausmacht, ist ok. Aber das kann nicht in den Himmel wachsen, hier braucht es eine Beschränkung nach oben“, sagt Huss.
Ein klares Nein kommt von der Ärztekammer. Edgar Wutscher, Obmann der Bundeskurie niedergelassener Ärzte, erklärt, das Recht der Wahlärzte, die Höhe ihrer Honorare selbst zu bestimmen, dürfe nicht angetastet werden. Den Vorwurf, dass Privatmediziner bis zum Fünfzehnfachen des Kassentarifs verlangen würden, weist er zurück: "Das stimmt nicht."
Wenn eine Arztrechnung tatsächlich zu hoch sei, könne man das bei der Ärztekammer einklagen, so Wutscher.
"Eine Obergrenze bei Wahlarzthonoraren wäre eine Möglichkeit, Patienten zu entlasten", sagt Ralph Schallmeiner, Gesundheitssprecher der Grünen. Doch die Debatte greife zu kurz: "Unser Ziel müssen ausreichend Kassenplätze sein – damit niemand gezwungen ist, Wahlärzte aufzusuchen."