Wärme aus dem Stall

Kühe als Heizung: Bauer spart 10.000 Liter Öl

Ein Bauernhof im Allgäu nutzt die Körperwärme seiner 130 Milchkühe zum Heizen - und spart damit rund 10.000 Liter Heizöl pro Jahr.
Technik Heute
30.03.2026, 13:00
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Am Spitalhof in Kempten wurde ein innovatives Heizsystem installiert, das die Körperwärme von Kühen in nutzbare Energie verwandelt. Die Tiere liegen auf speziellen Wassermatten, durch die ständig kühles Wasser mit etwa 15 Grad fließt. Während die Kühe dort ruhen, erwärmt sich das Wasser auf circa 18 Grad und wird über Wärmetauscher ins Heizsystem eingespeist.

Mit diesen 18 Grad allein lässt sich zwar noch kein Wohnraum beheizen - deshalb kommt eine Wärmepumpe zum Einsatz. Diese hebt die Temperatur auf 35 bis 55 Grad an, ausreichend für Fußbodenheizungen, Heizkörper oder Warmwasser. Der Vorteil: Die hohe Quelltemperatur sorgt für einen deutlich besseren Wirkungsgrad als bei klassischen Luft-Wärmepumpen im Winter.

Laut chip.de wird auch die Abwärme der Milchkühlung genutzt. Frische Milch hat etwa 38 Grad und liefert bereits heute Wärme für das Stallgebäude. Die Körperwärme der Kühe ergänzt diesen Effekt um viele Kilowattstunden. Insgesamt liefert die Herde im Winterhalbjahr 100 bis 120 Megawattstunden Wärme.

200.000 Euro Investition - Bayern fördert

Das System basiert auf Wassermatten eines französischen Herstellers und einer Heizungsanlage, die von einem Allgäuer Unternehmen angepasst wurde. Die Schläuche verlaufen gezielt unter dem Euterbereich, wo die meiste Wärme entsteht. Im Sommer sorgen unterirdische Leitungen für Kühlung.

Rund 200.000 Euro kostete das Projekt insgesamt. Etwa 60 Prozent davon wurden durch den Freistaat Bayern gefördert. Die Amortisationszeit wird auf acht bis zehn Jahre geschätzt. 14 Monate dauerte die Installation, erst nach Einbau der letzten Pumpe konnte das System in Betrieb gehen.

Wissenschaftliche Begleitung

Das Projekt wird wissenschaftlich überwacht. Forscher messen sowohl die Wärmeerträge als auch das Liegeverhalten der Kühe. Je länger die Tiere entspannt auf den Matten ruhen, desto besser für die Milchproduktion und die Energiegewinnung. Erste Auswertungen zeigen, dass der Komfort der Kühe steigt - und damit auch die Effizienz des Systems.

Das Konzept macht auch anderswo Schule: In weiteren Gemeinden wird bereits überlegt, die Wärme aus Milch in lokale Netze einzuspeisen. So könnten künftig mehr Bauernhöfe von der natürlichen Körperwärme ihrer Tiere profitieren.

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