Preiseinbruch bei Echtstein

Labor-Diamanten verändern den Markt

Die wachsende Beliebtheit von Labor-Diamanten setzt Minen und Arbeiter in Sierra Leone unter Druck. Die Branche steht vor einem Umbruch.
Newsdesk Heute
12.06.2026, 10:55
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In Sierra Leone schuften viele Männer in der Hitze, um in kleinen Minen nach Diamanten zu suchen. Doch der Ertrag bleibt oft aus, wie Daniel, Vorarbeiter einer Mine in der Region Kono, erzählt. Die Hoffnung, einen wertvollen Diamanten zu finden, ist trotz harter Arbeit gering: „Es ist Gottes Gnade, wenn du einen Diamanten findest. Wir träumen immer weiter.“

Viele Minenarbeiter kämpfen nach der Schließung der größten Mine des Landes, Koidu Holdings, im Vorjahr um ihren Lebensunterhalt. Rund 1.000 Jobs gingen verloren, nachdem ein Streit um Löhne und die schwache Nachfrage am Weltmarkt die Betriebskosten in die Höhe getrieben hatten.

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Diamantmine mit Arbeitern
REUTERS

Der Preis für geschliffene, natürliche Diamanten ist in den vergangenen vier Jahren um etwa 40 Prozent gesunken. Hauptgrund ist der Boom von Labor-Diamanten, die chemisch und physikalisch identisch mit natürlichen Steinen sind, aber bis zu 70 Prozent weniger kosten.

Region Kono besonders betroffen

Der Gouverneur von Kono, Augustine Shekho, beschreibt die Folgen für die Region als gravierend. Sinkende Diamantenpreise schmälern die Einkommen der Arbeiter und bremsen die lokale Wirtschaft. Diamantenabbau, einst Lebensader Westafrikas, steckt in der Krise.

Die Geschichte der Region ist von Gewalt geprägt: Während des Bürgerkriegs in den 1990er Jahren war Kono wegen seines Diamantenreichtums umkämpft. Noch heute leidet die Bevölkerung unter den Folgen. Ein internationales Zertifizierungssystem wie der Kimberley-Prozess sollte sogenannten Konfliktdiamanten Einhalt gebieten, doch das Image der Branche bleibt angeschlagen.

Schwereres Equipment kam in der Mine im östlichen Teil Sierra Leones zum Einsatz
REUTERS

Labor-Diamanten als Alternative

Labor-Diamanten werden vor allem in Indien und China hergestellt. Sie entstehen durch spezielle Verfahren und benötigen zwar viel Energie, sind aber günstiger und gelten als ethisch unbedenklicher. Immer mehr Konsumenten legen Wert auf Herkunft und Nachhaltigkeit.

Der britische Konzern De Beers setzt mit Initiativen wie Gemfair auf faire Bedingungen für Minenarbeiter und mehr Transparenz bei der Lieferkette. Dennoch wächst der Marktanteil der künstlichen Steine rasant: In den USA sind laut einer Studie von The Knot bereits 61 Prozent der Verlobungsringe mit Labor-Diamanten besetzt.

Viele Kunden entscheiden sich für Labor-Diamanten, weil sie sich größere Steine leisten können. Die Nachfrage nach natürlichen Diamanten sinkt, während die Alternativen als modern und verantwortungsbewusst gelten. In Sierra Leone bleiben viele Minenarbeiter dennoch bei der mühsamen Suche – und hoffen weiterhin auf das große Glück.

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