Labore verweigern Blutabnahme bei Affenpocken-Verdacht

Obwohl Affenpocken durch Abstrich der Läsionen diagnostiziert werden, sind Bluttests notwendig, um das Virus von anderen Infektionsarten zu unterscheiden und eine klare Diagnose stellen zu können.
Obwohl Affenpocken durch Abstrich der Läsionen diagnostiziert werden, sind Bluttests notwendig, um das Virus von anderen Infektionsarten zu unterscheiden und eine klare Diagnose stellen zu können.Getty Images/iStockphoto
Mitarbeiter zweier US-Labore weigern sich, bei Patienten mit Affenpocken-Verdacht Blut abzunehmen. Experten sprechen von Stigmatisierung.

Techniker von zwei der größten kommerziellen Labors in den USA, Labcorp und Quest Diagnostics, weigern sich, Patienten, die möglicherweise an Affenpocken erkrankt sind, Blut abzunehmen. Das berichtet CNN. Die Unternehmen bestätigen den Sachverhalt. Es bleibt jedoch unklar, ob die Labortechniker (Phlebotomisten) sich von sich aus weigern, Blut abzunehmen, oder ob es die Firmenpolitik ist, die sie daran hindert. Die beiden Testgiganten sagen, dass sie ihre Sicherheitsrichtlinien und -verfahren für ihre Mitarbeiter überarbeiten. Obwohl Affenpocken durch Abstrich der Läsionen diagnostiziert werden, sind Bluttests notwendig, um das Virus von anderen Infektionsarten zu unterscheiden und eine klare Diagnose stellen zu können.

Ein Phlebotomist ist ein medizinischer Techniker, der speziell dafür ausgebildet ist, Blutproben von Patienten zu entnehmen und grundlegende Laboraufgaben auszuführen, einschließlich der Einrichtung von Proben für die Analyse und der Eingabe von Laborergebnissen in ein Computersystem.

Stigmatisierung und Diskriminierung

Experten für Infektionskrankheiten, sagen, dass die Ablehnung auf Stigmatisierung beruht. "Das ist absolut unentschuldbar  und eine schwere Pflichtverletzung", meint David Harvey, Geschäftsführer der National Coalition of STD Directors, die 1.600 Kliniken für sexuelle Gesundheit in den USA vertritt. Er sieht in der Aktion "ein modernes Beispiel für Diskriminierung" – ein Standpunkt, der von anderen geteilt wird.

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"Wie damals bei HIV"

"Das erinnert mich an die alten Zeiten, als man sich nicht um HIV-Patienten kümmern wollte", so Arthur Caplan, ein Bioethiker an der New York University. Die Affenpockenfälle in den USA traten bislang hauptsächlich unter Männern auf, die Sex mit Männern haben.

"Wenn ein Techniker kein Blut abnimmt, führt dies zu noch mehr Stigmatisierung und Angst vor einem Virus, das ohnehin schon stigmatisiert ist", meint Dr. Peter Chin-Hong, der sich um Affenpockenpatienten kümmert. Laut Hong würden Männer es vermeiden, sich auf das Virus testen zu lassen – aus Angst, stigmatisiert zu werden. "Die Tatsache, dass Labortechniker Angst vor der Probenentnahme haben, macht es für jemanden noch unattraktiver, sich testen zu lassen. Es macht die Situation also noch schlimmer." Dabei sei laut dem amerikanischen Gesundheitsministerium (CDC) die Menge an Pockenviren im Blut gering. Das Gesundheitspersonal ist angehalten, beim Umgang mit Proben von mutmaßlichen oder bestätigten Affenpocken-Patienten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, um eine Übertragung zu verhindern.

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Ansteckungen in Labors "selten"

In einer E-Mail an CNN schrieb eine Quest-Sprecherin, dass "wir die CDC-Richtlinien befolgen, die besagen, dass Patienten mit bestätigter oder vermuteter Affenpockeninfektion isoliert werden sollten. Sobald eine Person aus der Isolation heraus ist, werden wir sie versorgen". Diese Richtlinien besagen jedoch nicht, dass Gesundheitsdienste erst nach einer Isolationsphase in Anspruch genommen werden sollten. Tatsächlich sagt die CDC, dass ihre Isolierungsempfehlungen "nicht für das Gesundheitswesen gelten". CDC-Sprecherin Kristen Nordlund dazu: "Die CDC-Leitlinien zur Isolierung von Affenpocken besagen ausdrücklich, dass Menschen isoliert bleiben sollten, es sei denn, sie lassen sich medizinisch versorgen. Dazu gehört die Probenentnahme für einen Test." Zudem seien laut Nordlund Ansteckungen in Einrichtungen des Gesundheitswesens "selten" gemeldet worden.

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