Augen auf bei der Wahl des Geschäftspartners: Das wird in Zukunft wohl auch ein 55-jähriger Tiroler beachten, der mit einem 28 Jahre alten Kärntner Anfang 2025 eine Bestattung gründete. Der Unternehmer ist derzeit an sieben Bestattungsfirmen beteiligt.
Dies erklärt sich dadurch, dass er neuen Leuten in der Branche bei der Unternehmensgründung hilft. Zu seinem Service gehören die Tätigkeiten eines gewerberechtlichen Geschäftsführers, das Geben von Informationen für Neo-Bestatter und die Vermittlung von Ausbildungsplätzen. Dafür ist der Mann für einen vertraglich festgelegten Zeitraum auch an den Gewinnen der Firma beteiligt.
Ein ähnliches Abkommen traf er auch mit dem 28-Jährigen. Nach zwei, drei Monaten wollte der Kärntner das Unternehmen jedoch alleine führen und seinen Geschäftspartner loswerden, berichtet die "Kleine Zeitung". Der Streit gipfelte in wilden Drohungen, wegen deren sich der Jüngere nun vor Gericht verantworten musste. Richterin und Staatsanwältin am Klagenfurter Landesgericht waren sich in der Causa einig: "Was Sie aufgeführt haben, ist besonders, besonders ekelhaft."
So soll der Angeklagte dem Tiroler eine Flut an WhatsApp-Nachrichten geschickt habe. Darin habe er ihm gedroht, Leichenteile in ganz Österreich zu verschicken, um den Ruf des Geschäftspartners zu schädigen. Sätze wie "Diese Leichen gehören alle geschreddert, weil ich alle Menschen hasse" sollen gefallen sein. Zudem habe der 28-Jährige dem Unternehmer "furchtbarste Leichenfotos" geschickt.
Dabei wirkte anfangs alles ganz normal. Laut dem Tiroler habe er den Beschuldigten übers Internet kennengelernt. Der Kärntner habe ihn um Unterstützung gebeten und sei bei einem ersten Treffen seriös aufgetreten. Laut dem 55-Jährigen konnte sich der junge Mann gut schreiben, war fein gekleidet und konnte auch entsprechend ausdrücken.
Zu diesem Zeitpunkt wusste er wohl noch nichts von der Vergangenheit seines zukünftigen Partners. Diese wurde in der Verhandlung genauer unter die Lupe genommen. Der 28-Jährige hatte nämlich bereits versuchte Brandstiftung, Suchtgifthandel, Diebstahl, Sachbeschädigung und Betrug auf dem Kerbholz.
Vor Gericht rechtfertigte sich der Beschuldigte damit, dass er an jenem Tag "12 bis 15 Bier" getrunken hatte und "völlig betrunken" gewesen sei. Der Vorfall tue ihm leid. Diese Darstellung wollte die Staatsanwältin nicht gelten lassen. Demnach habe der Mann über einen längeren Zeitraum komplett fehlerfrei geschrieben. Dies schaffe kein vollkommen Betrunkener, so die Juristin.
Der Tiroler sagte jedenfalls, dass ihn die Nachrichten "komplett geschockt" hätten. Er habe Angst um seine berufliche Existenz gehabt. Schlussendlich wurde der 28-Jährige wegen Nötigung zu sechs Monaten bedingter Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.