Für fünf Personen in einem Restaurant reservieren, um dann nur zu dritt zu erscheinen? Viele Gastronomen zahlen dafür einen hohen Preis. Einerseits bleiben Stühle und Tische leer, andererseits werden Personal- und Lebensmittelressourcen verschwendet, so erklären es Gastronomen.
Erst kürzlich hob ein Lokal in Oberösterreich für nicht eingehaltene Reservierungswünsche eine Gebühr ein, auch das Wiener Restaurant "mozart&meisl" zog nach mehreren unangenehmen Vorfällen die Notbremse – "Heute" berichtete. Der deutsche Gastro-Experte Kemal Üres hat zur No-Show-Gebühr eine klare Meinung.
Mit seiner herzlichen, aber auch ehrlichen Art unterhielt Kemal Üres in TV-Shows wie "Mein Lokal, Dein Lokal – Der Profi kommt" oder "Rosins Restaurants" die Zuseher des deutschen TV-Senders "Kabel Eins". Mittlerweile hat der "Gastroflüsterer" seine eigene "Gastro Business School". Sein Ziel war es nämlich schon immer, die Gastro-Vielfalt zu fördern.
Der leidenschaftliche Gastronom überlässt für ein schönes Restaurant-Erlebnis der Kunden nichts dem Zufall – deshalb sei es umso ärgerlicher, wenn Kunden vor Reservierungen über Änderungen nicht Bescheid geben würden.
"Aus meiner Sicht ist es leider für viele Gastronomen notwendig, No-Show-Gebühren einzuführen. In der Gastronomie gibt es klare Stoßzeiten, meist zwischen 18 und 20 Uhr. In genau diesen Zeiten können viele Betriebe ihre Tische nicht ein zweites Mal vergeben, wenn Gäste nicht erscheinen oder weniger kommen als angekündigt", erklärt Kemal Üres gegenüber "Heute".
Was ist eine "No-Show-Gebühr" in einem Restaurant?
Wenn ein Gast für sich oder eine Gruppe einen Tisch im Restaurant reserviert und dann zum vereinbarten Termin nicht erscheint oder weniger Personen erscheinen, ohne rechtzeitig abzusagen ("No-Show"), kann dies dem betroffenen Restaurant einen erheblichen finanziellen Verlust verursachen.
Oft sind sich die Gäste nicht bewusst, wie viel Aufwand in die Planung der Auslastung eines Restaurants fließt. Deshalb heben immer mehr Betriebe eine Gebühr für nicht eingehaltene Reservierungswünsche ein.
Das bedeute konkret Umsatzverlust, "denn auch Produkteinkauf und Personaleinsatz hängen ja auch von Reservierungen ab. Diese finanziellen Einbußen sind für kleinere Betriebe oft existenzbedrohend".
Eine Reservierung sei laut dem Gastro-Experten im Grunde eine verbindliche Zusage, vergleichbar mit einem Kinoticket.
„Wenn ich eine Karte kaufe und nicht hingehe, bekomme ich das Geld auch nicht zurück. Dieses Verständnis wird sich auch in Restaurants immer mehr durchsetzen.“Kemal ÜresDeutscher Gastro-Experte über die No-Show-Gebühr
Was die Höhe der Gebühr betrifft, sei allerdings Fingerspitzengefühl gefragt. "Wenn von fünf reservierten Gästen nur vier erscheinen, würde ich persönlich kulant reagieren. Wenn jedoch nur drei kommen, halte ich es für gerechtfertigt, zumindest eine Person in Rechnung zu stellen", so Kemal Üres.
Die Gebühr sollte daher fair, transparent und gut kommuniziert sein – gerade in einer Zeit, in der Betriebe auf ihre Kunden angewiesen sind.
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In einigen Ländern sei die No-Show-Gebühr bereits lange üblich, in Deutschland würden die meisten Betriebe nur an besonderen Tagen wie Silvester, Valentinstag oder bei speziellen Events darauf zurückgreifen. "Für reguläre Reservierungen verzichten nach wie vor etwa neun von zehn Restaurants darauf", so Üres.
Auf eine No-Show-Gebühr sollten sich Gastro-Kunden in Zukunft aber einstellen, denn: "Der wirtschaftliche Druck ist zu hoch, um weiterhin großzügig auf verbindliche Reservierungen zu verzichten."
Was dem deutschen "Gastroflüsterer" besonders auffällt: Die Mitte stirbt weg. "Betriebe, die alles ein bisschen machen wollen, verlieren zunehmend an Profil und Wirtschaftlichkeit." Die Zukunft gehöre klar der Spezialisierung. "Ein klares Konzept macht Abläufe einfacher, senkt Kosten und schafft Wiedererkennungswert beim Gast", so Üres gegenüber "Heute".