Der 29-jährige Lehrer soll seine Kollegin nach Unterrichtsende in die Schulbibliothek gelockt und dort getötet haben. Anschließend verließ er die Schule und nahm sich später im Bezirk Schärding das Leben. Welche Stationen die beiden an jenem Tag durchliefen und was bislang über die Tat bekannt ist, zeigt das Protokoll der Bluttat. Das ist am vergangenen Freitag passiert:
10.30 Uhr: Der 29-jährige Lehrer beendet seinen Unterricht. Anschließend bleibt er in der Schule. Laut Direktor Hans Peter Rockenschaub ist das nicht ungewöhnlich: Als Bibliothekar nutzt er die Schulbibliothek regelmäßig für Unterrichtsvorbereitungen.
Kurz vor 12.30 Uhr: Direktor Rockenschaub verlässt das Schulgebäude. Vorher begegnet er dem Lehrer noch einmal. Er wünscht ihm ein schönes Wochenende und fragt, ob man sich bei der 50-Jahr-Feier eines gemeinsamen Bekannten sehen werde. Die Antwort des 29-Jährigen: "Schauen wir mal."
12.35 Uhr: Die 28-jährige Lehrerin beendet ihre letzte Unterrichtsstunde. Nach Angaben des Direktors spricht der Kollege sie anschließend beim Konferenzzimmer an und bittet sie um ein Gespräch.
Die Lehrerin, die bei ihren Eltern in Rainbach im Innkreis lebt, zögert zunächst. Zuhause soll sie das Mittagessen für ihre Eltern machen. Schließlich folgt sie dem Kollegen dennoch in die Bibliothek.
Es ist ihr letztes bekanntes Lebenszeichen.
Zwischen 12.35 Uhr und 13.30 Uhr: Wann genau die Tat geschieht, ist bislang unklar. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand zieht der Lehrer in der Bibliothek einen Dolch mit einer rund 18 Zentimeter langen Klinge und sticht mehrfach auf die Frau ein. Anschließend schießt er ihr mit einer Pistole dreimal in den Kopf. Laut Staatsanwaltschaft besitzt der 29-Jährige die Waffenbesitzkarte erst seit dem Frühjahr.
13.30 Uhr: Ab diesem Zeitpunkt befindet sich laut Schuldirektor kein weiteres Mitglied des Lehrpersonals mehr im Schulgebäude. Die genaue Tatzeit könnte erst durch die Obduktion näher bestimmt werden.
Nach der Tat: Der Täter versperrt die Bibliothek und verlässt die Schule. Später fährt er mit seinem Auto in Richtung Freinberg, rund 20 Fahrminuten vom Tatort entfernt.
Ob er unmittelbar nach der Tat aufbricht oder sich zuvor noch an einem anderen Ort aufhält, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Gegen 17 Uhr: Im Gemeindegebiet von Freinberg prallt sein Auto mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum.
Die Ermittler gehen davon aus, dass sich der 29-Jährige unmittelbar vor dem Aufprall selbst in den Kopf geschossen hat. Den alarmierten Einsatzkräften ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt, dass der Tote im Zusammenhang mit dem Verbrechen in Taufkirchen steht.
Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Polizei-Notruf: 133
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Zur selben Zeit: Die Mutter der 28-Jährigen sucht ihre Tochter. Eine Handyortung führt zur Schule. Gemeinsam mit einem Kollegen durchsucht eine Lehrerin das Gebäude.
Gegen 18 Uhr: In der Bibliothek machen die beiden Pädagogen die grausame Entdeckung. Die 28-Jährige ist tot. Der Femizid wird entdeckt.
Montag, 15. Juni, 8 Uhr: Drei Tage nach der Tat kehren die Schülerinnen und Schüler erstmals in die Schule zurück. Der Unterricht steht im Zeichen der Aufarbeitung. Lehrer und Krisenhelfer begleiten die Kinder in Einzelgesprächen und im Klassenverband. Im Turnsaal wird eine Gedenkminute für die beiden Verstorbenen abgehalten. Zudem richtet die Schule zwei getrennte Gedenkräume ein: einen Andachtsraum für die getötete Lehrerin und einen sachlich gestalteten Raum für den verstorbenen Lehrer.